Mein innerer Kritiker wird befördert

Nun habe ich endlich meinen ersten Gruppen-Online-Kurs an den Start gebracht. Zeit also, diesen Meilenstein zu feiern. Ich mache mich daher höchstzufrieden auf dem Weg ans Meer.

Unterwegs schaltet sich plötzlich mein innerer Kritiker ein

„Du“ sagt er „ich finde, du könntest die Übungen noch etwas überarbeiten.- Und warum bereitest du dich nicht sorgfältig auf deine Live-Videos vor?“

Ich bin gerade in guter Stimmung – in einer weniger guten versuche ich, mir innerlich die Ohren zuzuhalten und laut „Lalala“ zu singen. Also frage ich den Kritiker: „Du gibst dir ganz schön Mühe, mich immer wieder zu trietzen. Sag mal, warum ist dir das so wichtig?“ – „Weil ich möchte, dass du noch besser wirst.“ kommt die Antwort.

Abrupt bleibe ich stehen. „Weißt du,“ meine ich zu meinem Kritiker „ich schätze das sehr. Und ich weiß, dass ich besser sein könnte. Vielleicht sogar viel besser. Aber ich will ja auch noch leben. Spaß haben und Leichtigkeit verspüren. Das geht mir verloren, wenn ich ständig versuche, immer besser und noch besser zu sein.“

„Aber,“ jammert der Kritiker „was ist denn, wenn du dann zu wenig tust und scheiterst?“

Ich denke ein wenig über die Frage nach und mir wird plötzlich etwas klar: „Kritiker, ich weiß, dass du versuchst, mich zu triezen, weil du Angst hast, dass ich sonst eine ungenügende Leistung abgebe. Aber sag mir: wann war das, was ich getan habe NICHT gut genug?“

Nun ist der Kritiker an der Reihe, lange nachzudenken. „Noch nie“ meint er schließlich ganz kleinlaut. „Eben! Ich muss nicht perfekt sein. Es reicht, wenn ich gut genug bin.“

„Aber brauchst du mich dann überhaupt noch?“ meint mein Kritiker nach einer Weile ganz ganz leise. Ich merke, dass dies nun meine Chance wäre, diesen Miesepeter und Nörgelheini endlich loszuwerden. Aber plötzlich spüre ich, dass ich das (noch) gar nicht möchte. Irgendwie ist mir dieser Motzbrocken ans Herz gewachsen.

„Ich glaube, wir finden für dich einen andern Job“ entgegne ich aufmunternd. Lange überlegen wir beide, was den eine geeignete Aufgabe für ihn wäre. „Ich hab`s!“ Plötzlich weiß ich es: „Ich befördere dich hiermit und ernenne dich zu meinem Motivationstrainer. Immer dann, wenn du das Gefühl hast, dass ich mir Zuwenig zutraue und daher weit unter meinen Möglichkeiten bleibe, darfst du mich freundlich darauf hinweisen, ok? Aber freundlich!“

Der Kritiker…nein… der frisch beförderte Motivationstrainer nickt erfreut. Und so habe ich nun einen Kritiker weniger und einen Motivationstrainer mehr. Mal schauen, wie lange diese Vereinbarung in Kraft bleibt 😉

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