Lernen Sie Ihren inneren Antreiber kennen

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Eva weiß manchmal gar nicht, wo ihr der Kopf steht. Es fängt schon am frühen Morgen an: Die Kinder müssen in die Schule, die Wäsche noch schnell in die Maschine gesteckt werden, damit diese am Abend ausgeräumt werden kann, die Brote vorbereitet werden. Sie darf außerdem das Päckchen nicht vergessen, das sie zurückschicken wollte. An die Arbeit möchte sie noch gar nicht denken, denn dort waren ca. hundert unbeantwortete E-Mails mit Termin-Anfragen, kleinen Aufträgen, Entscheidungen, die getroffen werden müssen. Ihre Freundin hat Eheprobleme und ruft sie deswegen ständig an und und bei Ihrer Mutter müsste sie sich eigentlich auch mal wieder melden.

Irgendwie fühlen sich Eva, als würden alle an ihr herumzerren. Für sie und ihre eigenen Bedürfnisse bleibt da kaum Zeit. Kein Wunder also, dass ihre Idee, eine Weiterbildung zu machen und beruflich noch einmal umzusatteln, schon seit Monaten unbeachtet in der Schublade liegt.

Kennen Sie das auch?

Wenn Ihnen Evas Situation bekannt vorkommt, so haben vermutlich auch Sie einen inneren Antreiber, der Ihnen ständig ins Ohr flüstert, dass Sie es allen Menschen recht machen und keinen enttäuschen dürfen.

Innere Antreiber entstehen aus der Erziehung. Wir alle haben von unseren Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen Regeln eingebläut bekommen. Diese Regeln sollen uns zu sozial verträglichen Menschen machen, aber wir laufen auch Gefahr, uns dadurch viel zu viel Stress zu machen. Stress, der uns nicht gut tut.

Es gibt vermutlich zahlreiche innere Antreiber. So viele eben, wie es unterschiedliche Erziehungsregeln gibt. Diese fünf sind die häufigsten

* Mach’s allen Recht

* Beeil dich

* Sei stark

* Sei perfekt

* Streng dich an


Mehr über diese inneren Antreiber können Sie in diesem sehr guten Artikel vom Seminarhaus Schmiede nachlesen. Dort finden Sie auch einen Test zur Selbsteinschätzung, welcher Antreiber Ihnen das Leben schwer macht.


Das Leben ist mit den inneren Antreibern schon stressig genug. Zusätzlich führen Sie auch noch dazu, dass wir uns selbst sabotieren. Denn unser Saboteur kann diese Sätze gegen uns verwenden.

Finden Sie daher heraus, ob auch Ihr Saboteur sich mit Ihrem inneren Antreiber verbündet hat und machen Sie den Selbsttest.

So funktioniert der Test

Kreuzen Sie die Aussagen an, bei denen Sie sich wieder erkennen und zählen Sie anschließend, wie häufig Sie A, B,C,D oder E angekreuzt haben.

 


E) Ich vergleiche mich häufig mit anderen und mache mir dadurch starken Druck, weil ich das Gefühl habe, dass diese besser sind

A) Ich sehne mich nach Anerkennung und Bewunderung, daher nehme ich mir meist zu große Ziele vor

B) Ich habe meist viel zu wenig Zeit für mich und meine Bedürfnisse, weil andere immer etwas von mir wollen oder brauchen

C)  Es fällt mir schwer, zu entspannen

B)  Manche Projekte beginne oder beende ich nicht, weil ich Angst davor habe, was andere dann über mich denken könnten

C) Ich übernehme öfter mal Projekte, weil es mich nervt, dass die anderen sich nicht entscheiden können. Dadurch verzettele ich mich aber irgendwann

A) Viele meiner Projekte habe ich irgendwann aufgegeben, weil sie zu ehrgeizig und unrealistisch waren

A) Ich fühle mich vor allem von Herausforderungen angetrieben. Gerade dann, wenn es ausweglos erscheint, fahre ich zur Hochform auf

D)  Ich bin mehrfach schon zum ungünstigsten Zeitpunkt krank geworden, weil ich mir davor wenig Erholung gegönnt habe

E)  Ich verzettele mich häufig, weil ich mich zu sehr mit Details aufhalte

D)  Ich würde nie jemanden um Hilfe fragen, selbst, wenn ich in Arbeit ersticke. Dann nehme ich es lieber in Kauf, dass Arbeit nicht fertig wird

A) Mehrere Projekte habe ich eingestellt, weil ein anderes schwierigeres und dadurch herausfordernderes Projekt meine Aufmerksamkeit erweckt hat

B)  Ich will auf keinen Fall Missgunst erwecken oder andere enttäuschen. Daher lasse ich lieber die Finger von manchen Ideen

B)  Meine eigenen Projekte kommen immer zuletzt. Kein Wunder, dass ich nicht richtig voran komme

E)  Ich brauche oft zu lange, weil ich keine Fehler machen möchte und habe daher schon Fristen verpasst

B)  Lieber lasse ich mir noch mehr Arbeit unterschieben, als mich einmal zu wehren und nein zu sagen

D)  Selbst wenn es mir richtig dreckig geht, lasse ich mir das nicht anmerken. Auch wenn ich dadurch vielleicht Entlastung bekommen könnte

C)  Ich nehme es in Kauf, eine mittelmäßige Arbeit abzuliefern, entscheidend ist nur, dass ich sie schnell erledigt habe

C)  Ich habe schon wichtige Termine verpasst oder vergessen, weil ich zu gehetzt war

D)  Ich übernehme oft Aufgaben oder werde um Rat gefragt, da ich den Eindruck mache, kompetent und belastbar zu sein. Irgendwann ist es dann zu viel und irgendwas wird nicht fertig

E)  Manchmal beginne ich meine Vorhaben gar nicht, weil ich denke, dass ich es sowieso nicht gut genug machen kann

C)  Ich komme öfter mal zu spät, weil ich zuvor noch schnell etwas anderes erledigen und Leerlaufzeiten vermeiden möchte. Dabei verschätze ich mich auch mal in der Zeit

E)  Wenn ich sehe, dass ich Fehler mache, werde ich schnell mutlos und lasse das Vorhaben fallen

 

 

A: Streng dich an:

Wenn Sie überwiegend A angekreuzt haben, dann leben Sie nach dem Motto „Anstrengung bringt mich zum Erfolg“. Ihr Saboteur kann dies ausnutzen indem er Sie dazu verleitet, sich viel zu große und oft auch unrealistische Aufgaben vorzunehmen. Unbewusst neigen Sie eventuell auch dazu, die einfache Lösung nicht zu sehen, da Sie automatisch davon ausgehen, dass es kompliziert ist.

Menschen mit einem Streng-dich-an-Antreiber wechseln gerne ihre Projekte, weil diese irgendwann langweilig erscheinen und ein anderes wichtiger oder viel versprechender erscheint.

Was können Sie tun?

-> Erlauben sie es sich auch einmal, den leichteren Weg zu wählen. Sie müssen nicht immer an vorderster Front kämpfen. Eigentlich müssen Sie gar nicht kämpfen
-> Prüfen Sie, ob Ihre Aufgaben realistisch sind
-> Achten Sie gut auf sich: Sorgen Sie daher für regelmäßige Entspannungszeiten und für Freude

 

B: Mach es allen recht:

Die Aussagen, die mit B markiert sind, stehen für den „Mach es recht-Antreiber“. Ihr Saboteur kann dies ausnutzen, indem er Ihnen zuflüstert, dass Sie sich erst um die anderen kümmern müssen. Sie haben dann viel zu wenig Zeit für Ihre eigenen Bedürfnisse und Ziele. Durch die Angst, andere zu enttäuschen oder zu verärgern halten Sie sich auch von erreichbaren Vorhaben ab.

Was können Sie tun?


-> Räumen Sie Ihren Projekten mindestens die gleiche Wichtigkeit ein wie den Bedürfnissen der anderer
-> Sagen Sie sich immer wieder, dass nicht alle Menschen Sie lieben müssen und Sie deswegen trotzdem ein wertvoller Mensch sind
-> Üben Sie, Nein zu sagen

 

C: Beeil dich

Finden Sie sich überwiegend in den Aussagen wieder, die mit dem Buchstaben C beginnen, so haben Sie vermutlich einen Beeil-Dich-Antreiber. Ihr Saboteur kann dies für sich nutzen, da Sie unter Zeitdruck schnell einmal wichtige Informationen verpassen oder zu spät kommen, weil sie vorher noch etwas erledigen wollten. Oder Sie brechen ein Projekt zu früh ab. Außerdem besteht die Gefahr, dass Sie krank werden, weil es mit einem Beeil-Dich-Antreiber schwer fällt, zu entspannen.

Das können Sie tun:

-> Sagen Sie sich immer wieder dass Sie sich nicht hetzen müssen
-> Versuchen Sie nicht, jede Minute mit Arbeit zu füllen, sondern nutzen Sie kleine Zeitinseln für Kurzmeditationen
-> Bremsen Sie ich immer wieder mal bewusst. Sie müssen nicht durch Ihr Leben hetzen

 

D: Sei stark

Menschen, die überwiegend D angekreuzt haben, haben das Gefühl, keine Schwäche zeigen zu dürfen. Sie sabotieren sich, indem sie sich keine Entlastung gönnen und sich zu viel aufladen lassen. Sollten Sie auch dazu gehören, so achten Sie darauf, sich nicht massiv zu überfordern. Gerade bei dem Gefühl, ständig stark sein zu müssen, zieht irgendwann der Körper die Notbremse.

Das können Sie tun:

-> Achten Sie gut auf Ihre Belastungsgrenze. Wenn diese überschritten ist, sorgen Sie für Ausgleichszeiten
-> Nehmen Sie Ihren Körper ernst. Schleppen Sie sich nicht halb krank zur Arbeit
-> Machen Sie sich bewusst, dass Sie Ihr Gesicht nicht verlieren werden, wenn Sie einmal sagen, dass Ihnen etwas zu viel wird

 

E: Sei perfekt:

Wenn vor allem Aussagen mit E am Anfang auf Sie zutreffen, so gestehen Sie sich vermutlich kaum Fehler zu. Diese Menschen laufen dann Gefahr, eine Sache gar nicht erst zu beginnen, oder sich darin so zu verzetteln, dass sie sie nicht zum Abschluss bringen.

Was können Sie tun?

-> Erinnern Sie sich immer wieder daran, dass auch 80% ausreichend und deutlich besser als 0% sind
-> Machen Sie sich bewusst, dass es besser ist, eine Sache abzuschließen, selbst wenn sie nicht ganz perfekt ist, als nie zu einem Ende zu kommen
-> Lernen Sie, Fehler zu machen. Fehler sind nicht schlimm, denn aus diesen lernen Sie. Und Sie sind mit Fehlern kein schlechterer Mensch.