Kleine Alltagssabotagen – 7 Denkfallen, in die Sie sicher auch schon getappt sind

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Selbstsabotage ist viel häufiger, als Sie vielleicht denken. Mit kleinen Strategien versalzen wir uns immer wieder die eigene Suppe. Und da unser innerer Saboteur dabei sehr geschickt vorgeht, merken wir das oft gar nicht.

Wenn Sie nun denken, dass Sie keinen solchen Saboteur haben, dann lesen Sie mal, ob Ihnen diese Denkfallen nicht doch bekannt vorkommen:

„Ich gönn mir ja sonst nie etwas“

Markus ist knapp bei Kasse. Daher hat er seit einigen Wochen einen Ausgabeplan und spart, wo er nur kann. Er kauft im Discounter ein, vermeidet den Coffee to go, geht nicht mehr ins Kino.

Plötzlich sieht er im Angebot ein technisches Gerät, das er schon immer haben wollte. „Ich hab mich jetzt schon so diszipliniert und gönne mir ja sonst nichts, da muss das drin sein“ denkt er und schon ist er eine dreistellig Summe los.

Ein cleverer Trick unseres Saboteurs. Er verleitet uns dazu, uns Dinge zu gönnen, weil wir doch vorher so diszipliniert waren. Vor allem dann, wenn wir uns dabei noch einreden können, ein geniales Schnäppchen gemacht zu haben.

Leider geben wir bei dem „Ausnahmegönnen“ oft viel mehr aus, als wir bei dem bisherigen Sparbemühen eingespart haben.

Und wundern uns dann, warum wir nie Geld auf dem Konto haben. Also sparen wir weiter, schränken uns ein und haben bald wieder das Gefühl, dass wir uns doch wirklich so gut wie nichts gönnen.


Wenn Sie nicht immer vor einem leeren Konto stehen wollen, legen Sie am besten vorher genau fest, wann Sie sich etwas außerhalb der Reihe gönnen und wieviel es maximal kosten darf. Und lassen Sie sich nicht von Angeboten verführen, solang es keine dringend benötigte Anschaffung ist.

Jetzt hab ich eine Belohnung verdient

Christina will abnehmen und hält daher Diät. Heute war ein sehr stressiger Tag, sie hat ein schwieriges Gespräch mit ihrem Chef hinter sich und außerdem nach der Arbeit auch noch ihrer Freundin beigestanden. Völlig erschöpft fährt sie nach Hause.

Auf dem Heimweg kommt sie an einem Supermarkt vorbei. „Eigentlich könnte ich mir ausnahmsweise etwas Süßes kaufen,“ überlegt sie „denn schließlich hab ich  mir nach all dem Stress eine Belohnung verdient.“

Dieser Trick funktioniert ähnlich wie die „Das gönn ich mir-Taktik“ oben. Mit einem einzigen Schlag machen wir unsere bisherigen Bemühungen zunichte.

Manchmal kann es auch tatsächlich nur ein Stück Kuchen sein, das wir uns gönnen, das wär ja erlaubt. Aber meist ist es dann doch mehr.

Zudem haben wir immer wieder stressige Tage oder andere Gründe, warum wir uns belohnen sollten. Und wundern uns, warum das Gewicht trotz Diät einfach nicht sinkt. Vor allem dann, wenn der Saboteur uns dann auch noch verleitet, mehr zu essen, als wir vorhatten.


Das können Sie tun: Suchen Sie sich andere Belohnungen, die nicht gleich Ihre bisherigen Erfolge wieder über den Haufen werfen. Und achten Sie genau darauf, wie oft Sie meinen, sich belohnen zu müssen.

Noch ein bisschen … Jetzt lohnt sich das eh nicht mehr

Frieda hat sich fest vorgenommen, um 15 Uhr endlich die Steuererklärung anzugehen. Als es soweit ist, sitzt sie noch am PC und spiet Solitär. „Noch ein  Spiel“ denkt sie. „Dann fang ich an.“

Plötzlich sind 40 minuten vergangen und Frieda fällt ein, dass sie ja um 16:30 Uhr einen Arzttermin hat. „Jetzt brauch ich auch nicht mehr mit der Steuererklärung anfangen“ seufzt sie und legt einen neuen Termin fest.

Was bei unangenehmen Aufgaben funktioniert, klappt auch beim Essen. Eigentlich hatten Sie eine doppelte Portion gekocht, um auch morgen noch davon zu essen. „Nur noch einen kleinen Nachschlag“ denken Sie, „es ist ja noch genug da für morgen.“ Bis Sie dann bemerken, dass Sie doch mehr gegessen haben, als Sie wollten.

„Das bisschen aufzuheben lohnt sich jetzt auch nicht!“ und weg ist die doppelte Portion und morgen müssen Sie dann doch wieder kochen. (Am besten, Sie versuchen dann wieder vorzukochen)

Hier versucht der Saboteur uns zu überlisten, indem er uns einredet, das bisschen mache doch nichts aus. Da hat er zwar Recht, aber wenn wir das mehrfach wiederholen, ist es plötzlich doch relevant, ganz egal ob es um das Zeitfenster für unangenehme Projekte oder die Menge des noch übrig gebliebenen Essens geht.

Ganz verdattert merken wir, dass unsere tollen Pläne jetzt nur noch eingeschränkt möglich sind. Wenn dann noch der Gedanke „Jetzt ist es sowieso egal“ oder „Das lohnt nun nicht mehr“ kommt, ist das der Todesstoß für unsere guten Vorsätze.


Wollen Sie nicht jedes Mal, von Ihrem Saboteur überrumpelt werden, dann gönnen Sie sich maximal einen „Nachschlag“ oder eine kleine Verschiebung und dann ist Schluss. Noch besser: halten Sie sich einfach an Ihren Plan und fangen bloß nicht an, mit Ihrem Saboteur zu feilschen. Der kann das nämlich besser als Sie.

Das hat ja noch Zeit

Albert plant eine Fortbildung, um sich in seinem Beruf weiter zu entwickeln. Beim Recherchieren stellt er fest, dass diese Anfang nächsten Jahres beginnt. Ein Blick auf die Anmeldefrist lässt ihn entspannen. „Bis dahin hab ich ja noch genug Zeit“ denkt er zufrieden und hakt das Thema Fortbildung innerlich für sich ab.

Als er beim nächsten mal an die Fortbildung denkt, ist jedoch die Frist schon verstrichen.

Ganz egal, ob wir einen Zug oder ein Hotel buchen wollen, eine Abgabefrist einhalten sollen oder eine Entscheidung treffen müssen, die bis zu einem bestimmten Zeitpunkt getroffen werden muss – mit dem „Das hat noch Zeit“ schafft es der kleine Saboteur zuverlässig, dass wir das Ganze im Kopf als erledigt abhaken und völlig vergessen.

Bis wir wieder daran denken ist es oft zu spät, wir müssen Kompromisse (teureres Hotel) eingehen oder unter Zeitdruck etwas fertig stellen und sind dann mit unseren Leistungen nicht zufrieden.


Um nicht in die Zeitfalle zu tappen, erledigen Sie es am besten gleich oder setzen Sie sich einen rechtzeitigen Reminder.

Der kann mir mal gestohlen bleiben

Linda ist enttäuscht. Sie hatte kürzlich zufällig einen Mann in einem Café getroffen und sich sehr nett unterhalten. Nach einem schönen Abend tauschten sie ihre Telefonnummern aus.

Seitdem wartet Linda auf einen Anruf von ihm- bisher vergeblich. Nach drei Tagen löscht sie seine Nummer. „Wenn er mich nicht haben will, dann will ich ihn auch nicht haben!“

Gerade in sozialen Beziehungen urteilen wir oft zu schnell und beziehen das Verhalten des anderen auf uns persönlich. Ob es der Kollege ist, der heute nicht gegrüßt hat, die Freundin, die herumdruckst, dass sie schon etwas anderes vorhat, oder ein Mensch, der sich über längere Zeit nicht meldet.

Wir denken dann, dass es an uns liegt. Unser Saboteur nutzt das und redet uns ein, dass wir solche Menschen nicht in unserem Leben brauchen können.

Und verhindert so, dass wir überhaupt klären können, was tatsächlich der Grund für sein Verhalten war.


Wenn Sie Ihre Bekanntschaften lieber aufbauen, anstatt schon bei den geringstem Irritationen einstampfen wollen, so glauben Sie Ihrem Saboteur nicht, wenn er ihnen einredet, dass das an Ihnen liegt.
Sprechen Sie vielmehr die Person darauf an und fragen nach, woran es liegt, dass sie sich so verhalten hat.

Das ist noch nicht gut genug

Andreas schreibt nebenberuflich einen Blog. Seit 2 Tagen sitzt er nun am neuesten Blogartikel. Dutzende Male hat er schon das bisher Geschriebene verworfen, weil es nicht aussagekräftig, nicht spannend und unterhaltsam genug war.

Irgendwann gibt er genervt auf. Dann gibt es diesmal halt keinen Blogartikel.

Ob jetzt beim Schreiben eines Blogs oder Buchs, beim Erstellen eines Angebots, oder bei einer wichtigen Aufgabe, die uns vom Chef anvertraut wurde – oft sorgt unser innerer Saboteur dafür, dass wir uns bei der Erledigung unserer Aufgaben selbst im Weg stehen.

Weil wir zu hohe Ansprüche an uns haben und ein perfektes Ergebnis abliefern wollen.

Aus Angst, uns zu blamieren feilen wir so lange an unser Leistung herum, bis wir das Projekt dann viel zu spät und mit viel zu viel Aufwand fertig gestellt haben, oder im schlimmsten Fall ganz sausen lassen.


Um nicht in die Perfektionismusfalle zu tappen sollten Sie immer an die 80/20%-Regel denken: 80% der Leistung lassen sich mit 20% Arbeitseinsatz erreichen und 80% sind meist gut genug. Peilen Sie keine perfekte Leistung an – die gibt es nicht, denn es geht immer noch besser.

Das ist jetzt wichtiger – was bin ich denn sonst für eine mieser Freund/Tochter/usw.

Anna muss für ihre Prüfung lernen, die am Montag stattfindet. Doch plötzlich ruft ihre beste Freundin unter Tränen an. Sie hat sich gerade nach einem Streit von ihrem Freund getrennt.

Anna weiß genau, dass sie noch große Wissenslücken hat und die Zeit unbedingt für die Prüfungsvorbereitung braucht. Aber es ist jetzt einfach wichtiger, sich um die liebeskranke Freundin zu kümmern. Dazu sind Freundinnen ja schließlich da.

Unser Saboteur findet immer einen Grund, warum jetzt etwas anders wichtiger ist als das, was wir eigentlich vorhatten.

Durch diese Ablenkungsmanöver erreicht er es, dass wir mit unseren eigentlichen Projekten nicht vorankommen.  Am besten gelingt es ihm, wenn er dabei an unsere Loyalität gegenüber Freunden oder Familie appelliert.

Und da wir uns nicht wie ein schlechter Mensch oder ein mieser Egoist fühlen wollen, fallen wir immer wieder darauf ein. Und für unsere eigentlichen Pläne bleibt dann keine Zeit mehr.


Was Sie tun können, um nicht in ein Ablenkungsmanöver zu steuern: Setzen Sie Ihre Prioritäten klar fest. Bei unerwarteten Ereignissen, die Ihre Aufmerksamkeit erfordern, prüfen Sie, was Sie davon delegieren oder auf später verschieben können.

Und noch ein abschließendes Wort

Wenn Sie sich in der ein oder anderen Denkfalle ertappt fühlen – kein Problem.

Erstens kenne ich keinen, der nicht irgendwann schon einmal erfolgreich Selbstsabotage betreiben hat, und zweitens: wenn Sie erst einmal wissen, wie Ihr kleiner Saboteur vorgeht, können Sie gegensteuern und werden nicht mehr so leicht auf seine Manöver hereinfallen.

Und falls Sie noch mehr Unterstützung brauchen: Sie finden hier auf dieser Website nicht nur jede Menge Lesefutter, sondern auch Kurse und Coaching-Angebote, um Ihrem Saboteur noch besser auf die Spur zu kommen.

Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg!



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