Welche Methoden Ihr innerer Saboteur anwendet

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Selbstsabotage  zu entdecken ist nicht einfach. Aber wenn Sie die wichtigsten Techniken Ihres inneren Saboteurs kennen, werden Sie ihm leichter auf die Schliche kommen können. Ich stelle in diesem Artikel 6 davon vor.

Ihr Saboteur ist ein ziemlich durchtriebenes Kerlchen.

Die meisten Methoden, die er verwendet, sind so subtil und gleichzeitig so effektiv, dass Sie meist gar nicht merken, wie Sie sich selbst sabotiert haben.

Meist gehen Sie dann eher davon aus, einfach nur Pech gehabt zu haben. Irrtum! Hier war Ihr Saboteur am Werk.

Doch wie genau stellt er das an?

Hier einmal eine kleine Auswahl seiner Tricks:

Die 3 Verschiebe-Techniken

Würde man den inneren Saboteur fragen, wann der beste Zeitpunkt für ein bestimmtes Projekt ist, dann würde er vermutlich sagen „Jederzeit. Nur nicht jetzt.

Wenn Sie mit einem Projekt erst einmal begonnen haben, ist es für den Saboteur so viel schwerer, es zu stoppen. Daher zieht er alle Register, um das Projekt zu verzögern.

Gerne morgen.

Oder zu Beginn des neuen Quartals.

Neujahr ist auch ein guter Startpunkt. Hauptsache nicht jetzt.

Und in der Zwischenzeit hat der Saboteur jede Menge Möglichkeiten, um sich eine neue Verzögerungstaktik und eine bessere Verhinderungsstrategie zu überlegen.

1. Technik: Ich hab doch noch Zeit

In diese Falle sind wir vermutlich alle schon einmal getappt. Wir verschieben ein unangenehmes Projekt erst einmal nach hinten, da es ja noch nicht eilt.

Der Abgabetermin ist erst übernächste Woche.

Die Anmeldefrist läuft erst im August ab.

Oder es gibt überhaupt keinen festen Termin für den Abschluss des Projekts.

Wir sind daher sehr entspannt, bechäftigen uns mit „wichtigeren“ oder angenehmeren Dingen. Und während wir ganz gelassen unser Leben leben, schmiedet der Saboteur in uns schon seine Pläne, wie er das Projekt verhindern könnte.

Im schlimmsten Fall ist dann die Anmeldefrist verstrichen, oder es haben sich unter dem Zeitdruck jede Menge Fehler eingeschlichen.

Die Hab-noch-Zeit-Falle lässt sich übrigens wunderbar mit den Schussel-Techniken kombinieren, die Sie weiter unten finden.

Und das können Sie tun: Wenn Sie nicht in diese Falle tappen wollen, dann hören Sie nicht auf Ihren Saboteur, der Ihnen vorrechnen möchte, wie viele Wochen Ihnen noch zur Verfügung stehen. Sondern machen Sie jetzt den ersten Schritt für Ihr Projekt.

Wählen Sie diese Aufgabe so klein, dass Sie sie sofort erledigen können. Und planen Sie gleich den nächsten Schritt. So hat Ihr Saboteur weniger Handlungsspielraum.

2. Technik: Ich fange dann an, wenn…

Der Wenn-Dann-Strategie begegne ich immer wieder, wenn ich mich mit Selbstsabotage beschäftige. Und auch Ihnen wird sie vermutlich bekannt vorkommen.

Ein gewitzter Saboteur behindert gar nicht das eigentliche Projekt, sondern setzt schon vorher an.

Wenn Sie sich zum Beispiel vorgenommen haben, gleich nach dem Joggen mit Ihrem Projekt zu beginnen, so muss der Saboteur gar nicht das Projekt selbst sabotieren. Es reicht, wenn er das Joggen verhindert.

Vielleicht regnet es gerade, und Sie sollten lieber noch warten, bis es wieder trocken ist.

Oder Sie wollen für das Joggen noch schnell einen neuen Podcast und etwas Musik herunterladen.

Eigentlich warten Sie noch auf einen Rückruf und sollten daher möglichst zuhause sein.

Sie sehen: Die Möglichkeiten, sich vom Joggen abzuhalten sind vielfältig. Und Ihnen ist gar nicht bewusst, dass Sie sich gleichzeitig auch sehr erfolgreich von der Arbeit an Ihrem Projekt gedrückt haben.

Diese Strategie ist eine der effektivsten Methoden, um sich selbst zu behindern ohne es zu merken. 

Das können Sie tun: Wollen Sie der Wenn-dann-Falle entgehen, so verknüpfen Sie Ihr Vorhaben nicht mit anderen Tätigkeiten. Kümmern Sie sich immer erst um Ihr wichtigstes Projekt. Die anderen Dinge können auch danach noch stattfinden.

3. Technik: Das geht jetzt nicht, weil…

Es ist erstaunlich wie kreativ wir werden, wenn wir uns vor einem Vorhaben drücken wollen. Wir finden dann viele Gründe, warum jetzt nicht der richtige Zeitpunkt dafür ist.

Plötzlich werden andere Dinge viel wichtiger und sollten zuerst erledigt werden.

Oder uns fehlen noch Informationen.

Oder wir möchten unbedingt erst noch eine bestimmte Person um Rat fragen und diese Person sehen wir erst übermorgen wieder.

Vielleicht bietet sich auch ein besonderes Ereignis als Startpunkt für das Projekt an:

„Wenn ich schwanger bin, höre ich mit dem Rauchen auf.“

„An meinem Geburtstag werde ich den Grundstein für meine Selbständigkeit legen.“

„Morgen fange ich an zu joggen.“

Wenn Sie sich selbst beobachten, werden Sie erkennen, wie oft Sie selbst Gründe dafür finden, jetzt nicht beginnen zu müssen. Und meistens steckt der Saboteur dahinter.

Und das können Sie tun: Prüfen Sie gut, ob es wirklich so einen entscheidenden Unterschied macht, ob Sie diese Information besitzen oder nicht. Und ob es wirklich so viel besser ist, erst an Neujahr mit den guten Vorsätzen zu beginnen. Starten Sie lieber jetzt und nehmen Sie Ihrem Saboteur den Wind aus den Segeln.

Die 3 Schussel-Strategien

Auch aus einem anderen Grund versucht der Saboteur, Zeit zu schinden. Denn wenn Sie erst einmal unter Zeitdruck geraten, sind Sie viel anfälliger für Fehler.

Und Fehler sind wunderbar geeignet, um sich selbst zu sabotieren.

4. Technik: Oh Mist, hab ich vergessen!

Eine herrliche Selbstsabotage-Strategie ist es, wesentliche Informationen zu vergessen. Ob es nun das wichtige, über Ihre weitere Karriere entscheidende Meeting ist, oder der Geburtstag Ihrer Partnerin.

Mal ganz ehrlich: haben Sie schon einmal beobachtet, wie oft Sie etwas verschieben, das Sie gleich erledigen könnten? Wie oft Sie etwas notieren könnten und es nicht tun? Mit der Begründung: „Das kann ich mir doch locker merken.“ Und wie oft Sie es dann doch vergessen haben?

Wenn Sie einmal etwas vergessen, ist es sicher nicht so schlimm für Ihre Projekte. Aber wenn sich diese „Ausfälle“ häufen, dann sollten Sie prüfen, ob da nicht Ihr Saboteur dahinter steckt.

Er muss dabei gar nicht viel tun, außer Sie daran zu hindern, die Sache gleich zu erledigen oder einen Termin beziehungsweise eine Information zu notieren. Anschließend muss er Sie nur noch soweit abzulenken, dass Sie sich auf etwas ganz anderes konzentrieren.

Bis Ihnen selbst siedendheiß einfällt: „Da war doch was“.

Dann ist es meist zu spät und Ihr Saboteur lacht sich ins Fäustchen.

Und das können Sie tun: Wenn Sie nicht mehr in die Gedächtnisfalle tappen wollen, dann verlassen Sie sich nicht allein auf Ihr Erinnerungsvermögen. Notieren Sie alle entscheidenden Informationen so, dass Sie sie jederzeit griffbereit haben.

Am besten, Sie setzen sich auch einen Reminder, der Sie rechtzeitig an wichtige Termine oder Informationen erinnert. Gerade dann, wenn es sich um unangenehme Tätigkeiten handelt.

5. Technik: Das hätt‘ ich doch wissen müssen!

Eigentlich waren Sie sich so sicher, dass das Meeting erst um 14 Uhr stattfinden sollte. Dummerweise war es um 11 Uhr und Sie haben es verpasst.

Oder der Flug ging bereits gestern und nicht heute.

Bei solchen leichtfertigen und dabei schwerwiegenden Fehlern ist oft der Saboteur im Spiel. Er bringt Sie dazu, nur oberflächlich zu lesen, nur die Hälfte der Informationen aufzunehmen und dadurch eine bedeutende Tatsache zu verpassen.

Vor allem wenn wir innerlich zwiegespalten sind und uns mit einem bestimmten Projekt nur ungern befassen oder uns dabei unter Druck fühlen, neigen wir dazu, uns nur soviel wie nötig damit zu beschäftigen. Und übersehen dadurch wichtige Einzelheiten. Auch unter Stress nehmen wir Informationen nicht richtig auf, verwechseln Termine oder verstehen nur die Hälfte.

Und das können Sie tun: Wenn Sie sich nicht später über Leichtsinnsfehler ärgern wollen, sollten Sie bei wichtigen und insbesondere bei unangenehmen Projekten genau prüfen: Habe ich alle wichtigen Informationen? Stimmt der Termin? Bin ich ausreichend vorbereitet?

Prüfen Sie nicht nur einmal, sondern besser mehrmals. Gleichen Sie Informationen mit anderen ab, ob Sie auch wirklich alles richtig verstanden haben. Überlassen Sie nicht zu viel dem Zufall, sonst geben Sie Ihrem Saboteur freie Fahrt.

6.  Technik: Wie konnte ich nur so dumm sein!

Haben Sie schon einmal eine prekäre Mail nicht an Ihren Kollegen, sondern stattdessen an den Chef geschickt?

Oder Sie haben über den Vorgesetzten gelästert, während dieser hinter Ihnen stand?

Oder einer Freundin eine SMS geschrieben, dass Sie nicht sicher wissen, ob Sie in der Beziehung glücklich sind – und dann versehendlich an den Partner geschickt?

Das alles sind Klassiker der Selbstsabotage.

Sie könnten auch einen teuren Wertgegenstand fallen lassen oder genau die Blumen schenken, die bei Ihrer Angebeteten allergische Reaktionen auslösen, obwohl Sie das doch eigentlich wissen sollten. Die Liste der Möglichkeiten ist lang. Und wird von Ihrem Saboteur regelmäßig genutzt.

Gerade unter innerem Druck neigen Menschen dazu, Fehler zu begehen. Und wenn Sie innerlich zwiegespalten sind oder Ihnen etwas unangenehm ist, dann stehen Sie deutlich mehr unter Anspannung als sonst.Eine ideale Ausgangssituation für Ihren Saboteur.

Und das können Sie tun: Handeln Sie nicht unüberlegt, vor allem dann nicht, wenn Sie wichtige Entscheidungen treffen müssen oder unter Zeitdruck stehen.

Denken Sie immer daran, dass Sie unter Anspannung fahriger und ungeschickter sind. Versuchen Sie daher, wichtige Entscheidungen oder Tätigkeiten mit besonderer Tragweite in Ruhe zu erledigen und sich dabei nicht hetzen zu lassen.

Bei Text-Nachrichten mit heiklen Inhalten sollten Sie immer genau überprüfen, ob auch der richtige Adressat angegeben ist.

Und was nun?

Sie haben nun einen Überblick über die wichtigsten und häufigsten Selbstsabotage-Strategien und was Sie dagegen tun können.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?

Leider ist es nicht ganz so einfach. Denn selbst wenn Sie eine Strategie entschärfen können, so wird Ihr Saboteur neue Wege finden, Sie zu behindern.

Es ist sehr wichtig, zu erkennen, wann Sie sich selbst sabotieren. Damit ist der erste Schritt getan. Viele kommen gar nicht so weit, sondern halten sich entweder für einen Pechvogel oder für einen Vollidioten. Sie sind diesen nun schon einen entscheidenden Schritt voraus.

Der zweite Schritt besteht dann darin, herauszufinden, warum Ihr innerer Saboteur aktiv ist. Nur wenn Sie seine Motive kennen, können Sie das Problem an der Wurzel packen.

In meinem neuen Kurs „Hallo, Saboteur!“ lernen Sie nicht nur zu erkennen, in welchen Bereichen Sie sich vor allem sabotieren, Sie erfahren auch warum Ihr Saboteur aktiv wird und wie Sie mit ihm verhandeln können. Näheres zu meinem Kurs finden Sie hier.

Ich wünsche Ihnen beim Lesen viel Spaß und vor allem viele wichtige Erkenntnisse

Hier noch einige hilfreiche Links:

4 Basics, die Sie über Selbstsabotage wissen sollten

Warum es so gefährlich ist, am eigenen Erfolg zu zweifeln

Was hat mein Selbstwert mit Selbstsabotage zu tun?

Wie unser Selbstbild uns behindern kann


 

Die Autorin:

Michaela Muthig ist Ärztin und Psychotherapeutin und hat sich auf Selbstsabotage spezialisiert. Mit Ihrem eigenen Saboteur hat sie Frieden geschlossen und erfüllt sich nun ihren Lebenstraum.

Im Mai 2019 erscheint ihr erstes Buch „Der kleine Saboteur in uns“.

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