So finden Sie heraus, was Sie wirklich wollen

Unser kleiner Saboteur schlägt gerne dann zu, wenn er das Gefühl hat, dass wir durch unsere Lebensentscheidungen nicht glücklich werden. Dann versucht er, unsere Projekte zu verhindern. Wir müssen also gut prüfen, was wir wirklich wollen.

Doch das ist gar nicht so einfach.

Arthur ist völlig verzweifelt. Gerade hat er ein wichtiges Meeting komplett vermasselt. Obwohl er sich sehr gut vorbereitet hatte und die letzten Wochen vor lauter Überstunden seine Familie kaum gesehen hatte, waren in seiner Präsentation mehrere grobe Patzer zu finden. In der anschließenden Diskussion wirkte er nicht souverän und begann zu stottern.
Der 36-jährige ist sich sicher: So wird das nichts mit der angestrebten Karriere.
Und er kann einfach nicht verstehen, wie er trotz all der Vorarbeit so versagen konnte.

So wie Arthur geht es vielen, vielleicht auch Ihnen: Wir strengen uns an, geben alles, investieren viel Zeit und Mühe. Aber genau in den entscheidenden Situationen läuft alles schief.

Wenn das einmal geschieht, gehe ich davon aus, dass es Pech war. Pech passiert.

Aber wenn es immer wieder vorkommt, dann liegt das vermutlich daran, dass der kleine Saboteur in uns mal wieder mitmischt. Doch warum tut er das?

Unser Saboteur versucht uns dann in unseren Projekten zu stören, wenn er eine Gefahr darin sieht, dass wir mit dieser Entscheidung langfristig unglücklich sind.

So war es auch bei Arthur. Er arbeitete auf eine Karriere hin, aber in Wirklichkeit wünschte er sich mehr Zeit für seine Familie. Er liebte es, mit seinen zwei Söhnen zu spielen und hatte immer wieder ein schlechtes Gewissen, dass er als Vater so wenig präsent war.
Aus Sicht seines Saboteurs war es völlig logisch, die Karrierepläne zu behindern. Denn mit der Beförderung hätte Arthur noch weniger Zeit mit seiner Familie verbringen können.

Heißt das nun, dass wir bei wiederholter Selbstsabotage gut prüfen sollten, ob wir wirklich die richtigen Entscheidungen treffen?
Ja, das heißt es! Aber das ist längst nicht so einfach, wie Sie jetzt vielleicht denken.

Arthur zum Beispiel war überzeugt davon, dass er Karriere machen wollte, so wie seine Brüder schon vor ihm. Er wollte sich nicht als das schwarze Schaf in seiner Familie fühlen. Sein früherer Berufswunsch, Lehrer zu werden, war damals von seinem Vater eher belächelt worden. Das BWL-Studium und der Einstieg ins untere Management eines Automobil-Zulieferers hatte den Vater dagegen sehr stolz gemacht. Und Arthur tat die Bewunderung des Vaters so gut.

Genau da liegt aber das Problem: Ganz häufig richten wir unser Leben nach den Vorstellungen anderer. Sei es, um Konflikte zu vermeiden, sei es, um Bewunderung oder Anerkennung zu bekommen.

Wir sind soziale Wesen und wurden von Kindheit an darauf trainiert, uns in eine Gemeinschaft einzufügen. Das ist auch wichtig, denn so sichern wir uns das Wohlwollen und die Unterstützung unserer Mitmenschen.

Aber gleichzeitig laufen wir Gefahr, zu vergessen, was wir wirklich wollen. Wir sind so darauf programmiert, die Wünsche unserer Bezugspersonen zu erraten, dass wir uns manchmal unbewusst nach deren Vorstellungen richten und uns gar nicht bewusst sind dass WIR eigentlich etwas ganz anderes wollen.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie IHR Leben in 5 Jahren aussehen soll? Was Sie gerne tun würden., ganz unabhängig von Ihrer Familie oder Ihren Freunden?
Viele Menschen, mit denen ich zusammen gearbeitet hatte, konnten dies gar nicht so genau sagen. Sie hatten einfach keine Übung darin, Ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse wahrzunehmen.

Wenn es Ihnen auch so geht, dann habe ich hier ein paar Tipps für Sie:

  1. Blättern Sie Zeitschriften durch und schneiden Sie die Bilder aus, die Sie emotional ansprechen. Sie können natürlich auch die Bildersuche im Internet nutzen und sich ansprechende Bilder ausdrucken. Basteln Sie daraus eine Zukunfts-Collage.
  2. Beantworten Sie folgende Frage: „Wenn ich 10 Millionen Euro auf meinem Konto hätte? Worauf würde ich mich jeden Morgen beim Aufwachen freuen?
    Lassen Sie sich für die Beantwortung dieser Frage viel Zeit. Tauschen Sie sich auch mit anderen über diese Frage aus und überlegen Sie sich, welche Zukunftsvorstellungen Sie am meisten ansprechen.
  3. Überlegen Sie sich, wie Sie gerne leben würden und was Sie erreichen würden, wenn Sie die Garantie hätten, dass es auf jeden Fall klappt und dass Ihre Familie Sie dabei unterstützen wird.
  4. Ausgehend von diesen Überlegungen schreiben Sie nun einen Tag in Ihrem Leben in 5-10 Jahren auf. Dieser Tag sollte ein wunderschöner, aber normaler Arbeitstag sein.
    Wann stehen Sie auf? Mit wem verbringen Sie Ihre Zeit?
    Was machen Sie beruflich und in der Freizeit? Welche Aufgaben füllen Sie aus?
    Wo wohnen Sie und mit wem? Wie verbringen Sie den Abend?
    Je ausführlicher Sie sich solch einen idealen Tag vor Augen führen, desto klarer können Bedürfnisse und Zukunftswünsche sichtbar werden.

    Hier können Sie ein Arbeitsblatt herunterladen und ausdrucken, um Ihre idealen Tag zu entwerfen.

Ich weiß, dass es nicht einfach ist, das emotionale Kuddelmuddel aus Versagensängsten, Schuldgefühlen gegenüber Ihrer Familie, Angst vor Enttäuschungen oder vor Ablehnung und noch viel mehr hinderlichen Gefühlen zu überwinden und einfach Ihr Ding zu machen.
Aber ich will Sie dennoch dazu ermuntern, herauszufinden, was Sie wirklich wollen, denn sonst werden Sie immer wieder Besuch von Ihrem kleinen Saboteur bekommen.

Und vielleicht ergeht es Ihnen ja wie Arthur: Er ist mittlerweile sehr zufrieden mit seinem Leben, arbeitet nur noch in Teilzeit und kümmert sich dafür mehr um seine beiden Jungs.
Seine Befürchtungen, das Schandmal der Familie zu werden, sind nicht eingetroffen.