Was tun bei einer Blockade?

Gerade dann, wenn etwas wichtig oder dringend ist, ist das Gehirn plötzlich ganz leer. Nichts geht mehr. Hier erfahren Sie, wie es zu einer Blockade kommt, und welche Fragen Ihnen helfen, diese zu überwinden.

 

 

 

Sie müssen einen Artikel dringend fertig geschrieben schreiben, eine Entscheidung treffen oder eine Fristsache endlich abschließen, aber nichts geht mehr. Der Kopf ist leer, sobald Sie an Ihre Aufgabe denken. Und obwohl Sie doch genau wissen, wie wichtig es ist, sich damit auseinander zu setzen, vertrödeln Sie lieber Ihre Zeit mit etwas anderem. Oder Sie sitzen vor dem Computer und raufen sich die Haare. Völlige Blockade.

DIeses Phänomen ist häufig. Ich habe in meiner Arbeit Menschen kennen gelernt, die Gefahr liefen, exmatrikuliert zu werden, weil sie es einfach nicht schafften, die nötige Hausarbeit zu schreiben. Oder Alleinerziehende, die am Existenzminimum kämpften, aber kaum finanzielle Unterstützung bekamen. Denn sie waren durch die Anträge überfordert und ließen Fristen verstreichen.

Sie alle berichteten etwas ähnliches: „Sobald ich daran denke, ist der Kopf leer. Ich kann es einfach nicht, egal, wie sehr ich doch möchte.“

Auch ich kenne dieses Phänomen. Statt an einem Artikel zu schreiben, ertappe ich mich plötzlich dabei, dass ich stattdessen Solitaire spiele. Und so verstreicht wertvolle Arbeitszeit.

Sie sehen, Sie sind damit nicht allein.

Doch warum kommt es überhaupt zu solch einer Blockade?

Zweifel am Erfolg

Wenn wir ganz sicher wüssten, dass wir mit dem, was wir vorhaben, Anerkennung bekommen und unsere Ziele erreichen, wären wir oft viel weniger blockiert.

Aber meist ist es leider so, dass wir unsicher sind, ob wir wirklich erfolgreich sein werden. Es gibt keine Garantie, dass sich unsere Bemühungen lohnen werden.

Stattdessen fragen wir uns, ob wir vielleicht etwas falsch machen werden, uns lächerlich machen könnten. Oder ob wir nicht zu viel Zeit und Mühe investieren und es dann doch schief geht.

Gerade wenn Sie etwas Neues beginnen und gar nicht genau wissen, wie Sie es richtig aufziehen sollen, laufen Sie Gefahr, sich zu blockieren. Sehr oft kommen dann Gedanken wie „So wird das nichts“, „Ich müsste das vielleicht anders machen“ oder „Das ist nicht gut genug“

Und diese Gedanken führen dann zu einem leeren Kopf und einer Denkhemmung.

Ist das wirklich das Richtige für mich?

Aber selbst wenn Sie ganz sicher sind, dass Sie mit dem Vorhaben erfolgreich werden, kann es sein, dass Sie nicht vorankommen. Dann nämlich, wenn Sie im Grunde unsicher sind, ob dieses Vorgehen Ihnen entspricht und Ihnen nützt.

Unser Leben ist sehr komplex geworden. Wir haben viel mehr Möglichkeiten, ein gutes Leben zu leben. Und damit haben wir auch die Qual der Wahl. Die Medien spiegeln uns vor, was wir tun sollten, um glücklich zu sein, und setzen uns dabei ziemlich unter Druck.

Da es so viele Möglichkeiten gibt, werden wir oft unsicher: Führen wir wirklich das zu uns passende Leben? Warum sind wir dann gerade nicht glücklich? Ist das wirklich die richtige Entscheidung?

Auch diese Fragen können uns blockieren. Sobald wir zweifeln, ob dieses Projekt uns entspricht und uns glücklich macht, laufen wir Gefahr, dass unser innerer Saboteur uns behindert.

Diese Fragen helfen

Da ich selbst solche Blockaden ganz gut kenne, habe auch ich mich damit auseinander setzen müssen. Im Lauf dieses Prozesses habe ich für mich ein Vorgehen gefunden, das mir zuverlässig hilft, wieder ins Tun zu kommen und an meinen Projekten dran zu bleiben.

Folgende Fragen helfen mir dabei:

1 ) Wo ist das Problem?

Für diese Frage sollten Sie sich Zeit nehmen. Unterbrechen Sie das, was Sie tun, gerade wenn Ihr Tun nur dazu dient, sich von sich selbst abzulenken.

Machen Sie sich einen Tee oder etwas anderes zu trinken und setzen Sie sich an einen ruhigen Ort. Dann stellen Sie sich vor, dass Sie sich selbst mit Mitgefühl und Verständnis betrachten.

Fragen Sie sich dann, wo das Problem genau liegt. Gibt es bestimmte Ängste? Welche Zweifel blockieren Sie? Welche Gedanken tauchen auf?

Hören Sie sich dabei erst einmal nur zu, ohne gleich Lösungsvorschläge zu machen oder das, was in Ihrem Kopf auftaucht, zu bewerten. Bleiben Sie dabei verständnisvoll und wohlwollend mit sich selbst.

Allein durch die Aufmerksamkeit auf das Problem, sortiert sich das Gedankenknäuel etwas und Sie finden heraus, wo die Blockade genau liegt.

2 ) Warum ist das so problematisch?

Wenn der Gedankenstrudel etwas versiegt ist und das Problem mehr im Vordergrund steht, fragen Sie sich, warum dieses für Sie beängstigend oder unangenehm ist.

Mit dieser Frage wollen Sie herausfinden, welche Grundüberzeugungen über das Projekt (z.B. „das wird mich langfristig nur unglücklich machen“) oder über Sie selbst (z.B. „dafür bin ich nicht gut genug“) dahinter stecken.

Nehmen Sie diese Frage und Ihre Ängste dabei ernst und wischen Sie sie nicht gleich als „Humbug“ vom Tisch. Selbst, wenn die Befürchtung wirklich überzogen ist, so braucht sie erst einmal Raum.

Spätestens jetzt werden Sie auch unangenehme Gefühle verspüren. Lassen Sie diese zu und halten Sie sie aus. Gefühle lassen mit der Zeit ganz von alleine wieder nach.

3 ) Was müsste sich ändern, damit es wieder voran gehen kann?

Mit der nächsten Frage lenken Sie den Fokus erstmals darauf, das Problem zu lösen. Indem Sie erst einmal allgemein formulieren, was sich ändern müsste, umgehen Sie den „aber das kann ich nicht-Reflex“.

Sammeln Sie erst einmal alle Antworten, die Ihnen zu dieser Frage einfallen. Von „ich bräuchte mehr Geld“ zu „mein Chef müsste mich endlich einmal respektieren“.

Bewerten Sie die Antworten noch nicht auf Machbarkeit, sondern hören Sie einmal neugierig zu, was Ihr Unterbewusstsein für Ideen liefert.

4 ) Was kann ich dazu beitragen, dass ich wieder in Fahrt komme?

Nun also geht es nicht mehr um Wünsche an das Schicksal oder Bestellungen ans Universum, sondern ganz konkret darum, Sie wieder handlungsfähig zu machen.

Manchen mag die oben stehende Frage zu abstrakt sein. Sie können sich dann stattdessen fragen: „Was muss ich erledigen/aus dem Weg räumen, damit es mich nicht mehr blockiert?“ oder „Welcher erste Schritt gibt mir wieder mehr Zuversicht?“

Entscheidend ist dabei vor allem, dass Sie selbst diese Aufgabe angehen können und auch müssen.

Es gibt dabei verschiedene Wege:

 – Schritt nach vorne (also Ziel und Strategie beibehalten, Bedenken überwinden und tun),

 – Schritt zur Seite (Ziel beibehalten, aber andere Strategie wählen) oder

 – Schritt zurück (Ziel überprüfen und evtl. ändern)

Diesmal dürfen Sie bewerten. Prüfen Sie die verschiedenen Ideen, die nun auftauchen, ob sie umsetzbar sind.

Welche der verschiedenen Optionen klingt am vielversprechendsten? Sie sollte machbar sein, möglichst sofort durchführbar sein und Sie auch tatsächlich wieder ein Stück weit aus der Blockade herausbringen.

Sobald Sie die für Sie beste Strategie gefunden haben, schreiben Sie sie auf und führen Sie sie so bald wie möglich aus.

5 ) Was würde ich mir sagen, wenn ich mein eigener Therapeut wäre?

Die letzte Frage ist eine meiner Lieblingsfragen. Niemand kennt Sie so gut, wie Sie selbst. Daher können nur Sie sich den besten Rat geben.

Überlegen Sie, mit welchen Worten Sie sich aus den Zweifeln und Ängsten wieder herauslösen können. Welche Gedanken helfen Ihnen, wieder ins Tun zu kommen?

Sie selbst wissen das am Besten. Also legen Sie los!

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Hier noch einige hilfreiche Links:

4 Basics, die Sie über Selbstsabotage wissen sollten

Warum es so gefährlich ist, am eigenen Erfolg zu zweifeln

Was hat mein Selbstwert mit Selbstsabotage zu tun?

Wie sich Selbstsabotage auf Ihre Beziehungen auswirkt

Welche Methoden Ihr innerer Saboteur gern anwendet

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Die Autorin:

Michaela Muthig ist Ärztin und Psychotherapeutin und hat sich auf Selbstsabotage spezialisiert. Mit Ihrem eigenen Saboteur hat sie Frieden geschlossen und erfüllt sich nun ihren Lebenstraum.

Im Mai 2019 erscheint ihr erstes Buch „Der kleine Saboteur in uns