Selbstsabotage ist für mich kein Thema – oder doch?

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Vielleicht denken Sie, dass Selbstsabotage bei Ihnen nicht auftritt. Aber sind Sie sich da ganz sicher?

Hatten Sie nicht auch immer wieder Phasen, in denen Sie sich gar nicht erklären konnten, warum Sie jetzt so blöd reagiert haben und dadurch alles kaputt gemacht haben?

Ist es Ihnen nicht auch schon passiert, das kurz vor dem Ziel etwas passiert ist, das alles kaputt gemacht hat? Und das immer und immer wieder?

Und werden Sie nicht zunehmend unsicher, ob der Weg, den Sie eingeschlagen haben, auch wirklich passend für Sie ist?

Ja? Dann lesen Sie mal weiter.

Selbstsabotage bleibt oft unentdeckt

Ganz häufig merken wir gar nicht, dass wir uns selbst sabotieren. Wir bemerken zwar, dass wir unsere Ziele nicht erreichen, dass unsere Projekte wieder einmal nicht funktioniert haben. Aber oft schieben wir dies auf äußere Umstände, den falschen Zeitpunkt oder finden eine andere Erklärung.

Dies liegt daran, dass es Mechanismen im Gehirn gibt, die uns vor Schmerzen und seelischer Erschütterung bewahren wollen.

Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie Monate, vielleicht sogar Jahre auf ein Ziel hingearbeitet haben und dann plötzlich liegt alles was Sie aufgebaut haben, in Trümmern? – Sie wären sicher tief enttäuscht und traurig.

Und was, wenn Sie feststellen würden, dass Sie selbst aktiv dazu beigetragen haben, dass es schief ging? – Sie wären nicht nur traurig, sondern aufgewühlt, enttäuscht und sauer auf sich selbst.

Was aber, wenn Sie plötzlich erkennen würden, dass Sie das ständig, über viele Jahre hinweg und ganz systematisch tun? Immer und immer wieder? Und dass all Ihre Träume durch Ihr eigenes Handeln zerstört worden sind?– Dann wären Sie in Ihren Grundfesten erschüttert. Ihr ganzes Weltbild, Ihre Meinung über sich selbst und Ihr Selbstwert wären gefährdet.

Dieser Zustand ist so unangenehm, dass wir diese Erkenntnis um jeden Preis vermeiden wollen.

Unser Gehirn greift dabei tief in seine Trickkiste und täuscht uns vor allem mit zwei Mechanismen:

Externalisierung: Wir finden Gründe, warum unser Vorhaben gescheitert ist. Gründe, die nicht mit uns zu tun haben.

  • Sie konnten sich nicht auf die Prüfungsvorbereitung konzentrieren, da Sie gerade einen hässlichen Streit mit ihrem Partner hatten – der Partner ist also schuld. Dass vielleicht Sie es waren, die den Konflikt hat eskalieren lassen, anstatt sich aufs Lernen zu konzentrieren, blenden Sie dabei aus.
  • Ihrer Mutter ging es nicht gut, Sie mussten sich um sie kümmern und konnten daher nicht die Terminsache fertig stellen – die Mutter, bzw das schlechte Timing ist verantwortlich. Und Sie übersehen geflissentlich, dass SIE die Entscheidung getroffen haben, sich selbst zu kümmern und nicht die Schwester einzuschalten, damit diese die Mutter versorgt.
  • Aufgrund eines Autounfalls haben Sie bei einen sehr wichtigen Termin und dadurch eine Karrierechance verpasst – Pech! Allerdings waren Sie beim Autofahren unachtsam und haben den Unfall verursacht.

Dies sind nur einige Beispiele, wie wir Gründe finden und unseren eigenen Anteil daran ausblenden.

Natürlich kann jeder einmal Pech haben. Aber wenn solche Ereignisse immer wieder genau dann geschehen, wenn es „um die Wurst“ geht, dann können Sie sicher sein, dass Ihr Saboteur dahinter steckt.

Rationalisierung: Bei der Rationalisierung biegen wir uns unser Scheitern so zurecht, dass es nicht mehr so schmerzt.

  • „Eigentlich wollte ich das ja gar nicht.“
  • „Das ist besser so für mich.“
  • „Ich hab es ja nur gemacht, weil mein Chef das so wollte.“

Durch solche Erklärungen sorgen wir dafür, dass die Enttäuschung weniger schmerzhaft ist. Wir schützen uns also.

Gleichzeitig aber lügen wir uns dabei oft in die eigene Tasche und verhindern, dass wir der Selbstsabotage auf die Spur kommen.

Der innere Saboteur sorgt oft für Ablenkungsmanöver

 Falls Sie nun nachdenklich geworden sind und überlegen, demnächst einmal genauer darüber nachzudenken, dann machen Sie sich darauf gefasst, dass Sie viele tolle Ideen haben werden. Jede Menge Lösungen für Probleme, die Sie schon lange mit sich herumtragen, Ideen für tolle neue Artikel (falls Sie wie ich regelmäßig bloggen) oder einen Ansatzpunkt, wie Sie ein Problem auf der Arbeit angehen können.

Das ist toll, aber es wird vor allem eines bewirken: Sie werden sich auf die Lösungsidee stürzen und nicht mehr über Selbstsabotage nachdenken.

Auch das ist eine Strategie, die Ihr Saboteur anwendet, um nicht entdeckt zu werden: er wirft Ihnen ein Ablenkungshäppchen vor die Füße, um Sie zu beschäftigen.

Wenn ich erst einmal anfange, über meinen eigenen Saboteur nachzudenken, werde ich regelmäßig zum Ideenfeuerwerk: Die Idee zu diesem Artikel ist übrigens auch entstanden als ich mal wieder meinem kleinen Saboteur auf der Spur war.

Selbstsabotage findet dort statt, wo es weh tut

Aber ist das so, dass jeder sich selbst sabotiert und es einfach nicht wahrhaben will? – Diese Frage wurde mir auch kürzlich in einem Interview gestellt. Ich will nicht verallgemeinern und behaupten, dass Selbstsabotage alle Menschen betrifft.

Aber: Jeder Mensch hat seinen wunden Punkt. Jeder hat in sich etwas ganz kostbares, das er um jeden Preis schützen will. Bei mir sind es meine Ideale und Ziele. Bei anderen kann es der Selbstwert sein, die eigene Identität, bestimmte Träume und starke Sehnsüchte.

Immer dann, wenn diese Schätze in Gefahr geraten könnten (egal ob sie wirklich gefährdet sind oder nur scheinbar), ist die Gefahr der Selbstsabotage am größten.

Fragen Sie sich also, wo genau Ihr wunder Punkt liegt. Was ist es, das sie schon seit Ewigkeiten ersehnen, etwas, das Sie und Ihr ganzes Lebenskonzept prägt?

Wenn es doch so schmerzhaft ist, ist es denn wirklich so sinnvoll, Selbstsabotage aufzudecken?

Ja, davon bin ich überzeugt. Denn nur wenn Sie Ihre Verantwortung erkennen, können Sie es verändern. Wenn Sie weiterhin vor Ihrem Saboteur die Augen schließen, werden Sie immer wieder versuchen, Gas zu geben, während Sie gleichzeitig auf der Bremse stehen.

Sie werden immer wieder Zeit, Mühe oder Geld in Projekte investieren und anschließend die Scherben aufkehren müssen. Und auch wenn Sie sich bewusst andere Begründungen für das Scheitern zurecht legen, werden Sie doch in Ihrem inneren spüren, dass Sie irgendwie damit zu tun haben.

Fortgesetzte Selbstsabotage kann in einer psychischen Erkrankung enden, wie zum Beispiel einer Derpession oder einer Angststörung. Und Sie sorgt dafür, dass Ihr Selbstwert und Ihr Selbstvertrauen immer mehr untergraben werden.

Wie erkennen ich denn nun, dass ich mich selbst sabotiere?

Als erstes rate ich Ihnen, sich genau zu beobachten. Wann genau lassen Sie sich ablenken? Bei welchen Projekten scheitern Sie regelmäßig?

Gehen Sie auch zurück in die Vergangenheit: Was war damals der Auslöser für geplatzte Träume? Rufen Sie sich die Situation von damals noch einmal in Erinnerung und schauen Sie diesmal nüchterner und kritischer auf die Gründe und überlegen Sie, wo Ihr Anteil daran gelegen hatte-

Um sich nicht immer von ihrem eigene Schmerzverhinderungsprogramm austricksen zu lassen, kann es helfen, sich einen Blick von außen zu gönnen. Ein Therapeut oder Coach, aber auch ein guter Freund sind viel öfter in der Lage, selbstzerstörende Muster zu erkennen.

Auch können Sie versuchen, Detektiv zu spielen und sich vorzustellen, Sie wollen jemanden der Tat überführen. Blenden Sie dabei aus, dass es sich hier um Ihr eigenes Problem handelt.

Selbstsabotage lässt sich bei anderen nämlich viel leichter erkennen, da dann das Schmerzverhinderungsprogramm nicht aktiv ist.

Und dann? Was mache ich, wenn ich Selbstsabotage erkannt habe?

Wenn Sie erst einmal festgestellt haben, dass Selbstsabotage durchaus Ihr Thema ist, haben Sie schon den wichtigsten Schritt hinter sich. Sie haben nun die Möglichkeit, herauszufinden, zu welchen Zeiten und in welchen Situationen Ihr Saboteur aktiv ist.

Dadurch erhalten Sie wichtige Erkenntnisse, wann er denkt, dass Ihre inneren Schätze in Gefahr sind.

Mit seiner Hilfe können Sie nun herausfinden, worin diese Gefahr besteht.

Manchmal sind es nur falsche Glaubenssätze, die Ihren Zielen im Weg stehen, vor allem solche Sätze wie „Du schaffst das sowieso nicht“ oder „Du bist nicht liebenswert, du hast das eigentlich gar nicht verdient“.

Diese sollten Sie mit Hilfe eines Therapeuten oder eines Coachs auflösen.

Manchmal aber gibt uns der Saboteur auch gute Hinweise und es besteht eine echte Gefahr für Ihren inneren Schatz. Dann lohnt es sich, das Projekt noch einmal zu hinterfragen und zu verändern.

Das Wichtigste aber: Seien Sie wachsam. Machen Sie sich bewusst, dass vermutlich auch Sie einen inneren Saboteur haben und hören Sie ihm zu wenn er sich meldet. Machen Sie sich ihren Saboteur zum Verbündeten.