So motivieren Sie sich richtig

„Ich sollte unbedingt einmal…“ Diesen Satz kennt vermutlich jeder. Tief in uns wissen wir, was wir verändern müssen, um glücklicher oder gesünder zu leben. Aber aus vielen verschiedenen Gründen lassen wir dann doch alles beim alten. Wie gut, dass man mittlerweile schon viele Kenntnisse gewonnen hat, wie sich Menschen motivieren lassen. Und natürlich können wir diese Techniken nicht nur auf andere anwenden, sondern vor allem auch auf uns selbst.

Manchmal kann es überlebenswichtig sein, sein Verhalten zu verändern. Zum Beispiel, wenn bei jemandem mit sehr ungesundem Essverhalten eine Zuckerkrankheit festgestellt wird, oder ein starker Raucher eine schwere Lungenerkrankung bekommt. Von einem Tag auf den anderen müssen diese Menschen ihre Lebensgewohnheiten umstellen, um ihrem Körper nicht noch mehr Schaden zuzufügen.

Viele schaffen das aber leider gar nicht. Denn es ist soo schwer, eingefahrene Gewohnheiten zu ändern. Schließlich haben wir es uns in unserem Leben so gemütlich eingerichtet. Und wenn sich ein bestimmtes Verhalten über viele Jahre eingespielt hat, ist es wirklich richtig schwierig, plötzlich zu einem anderen Menschen zu werden.

Und doch ist es möglich. Anfang der 90er haben William Miller und Stephen Rollnick die motivierende Gesprächführung entwickelt, die den Menschen dabei helfen soll, ihr Verhalten zu ändern.

Das besondere an dieser Technik: Sie schreibt dem Anderen nicht vor, was er gefälligst zu tun hat, sondern weckt vielmehr den Wunsch nach Veränderung in ihm.

Veränderung entsteht von innen heraus

Ich weiß ja nicht, wie Sie ticken, aber den meisten Menschen geht es so: Wenn man ihnen sagt, dass sie dies tun oder jenes lassen sollen, weil es sonst negative Konsequenzen hat (zum Beispiel auf die Gesundheit), so haben sie ganz viele Gründe, warum jetzt nicht der richtige Zeitpunkt dafür ist.

Wir mögen nun einmal nicht gerne bevormundet werden, und wenn wir etwas tun sollen, hinter dem wir nicht so richtig stehen, dann regen sich in uns ganz automatisch innere Widerstände. Selbst dann, wenn wir genau wissen, dass der andere ja recht hat und wir seinen Empfehlungen folgen sollten. Eigentlich doof, aber so sind die meisten Menschen nunmal gestrickt.

Gerade daher ist es so wichtig, an einem anderen Punkt anzusetzen. Wenn nach und nach ein inneres Bedürfnis entsteht, ein Sehnen nach einem schöneren oder gesünderen Leben, so setzen wir den Samen für Veränderung. Aus einem zunächst ganz zarten Pflänzchen wird mit der Zeit ein starker Wunsch, der fest in uns verwurzelt ist und Kräfte mobilisiert, um diesen Traum auch wirklich zu erreichen.

Die Karotte an der Angel

Sie kennen sicher das Bild vom Esel, der sich weigert, einen Wagen zu ziehen. Erst als man ihm eine Angel mit einer Karotte vor die Nase hält, setzt er sich in Bewegung, um den Leckerbissen vor ihm zu erreichen. Und das funktioniert auch bei uns Menschen. Wenn Sie erst herausgefunden haben, welches Ziel Sie wirklich erreichen wollen, so können auch Sie den störrischen Esel in Ihnen in Bewegung bringen. Aber Sie brauchen dafür ein wirklich anziehendes Ziel, das erreichbar scheint.

„Jeder Mensch hat eine Karotte in sich. Wir müssen sie nur finden“

Und das können Sie tun, um sich selbst zu motivieren:

1) Werden Sie zum Visionär

Wie könnte Ihr Leben in 5 Jahren aussehen? Stellen Sie sich einen ganz normalen Tag in Ihrem Leben vor, an dem einfach alles rund läuft. Mit wem teilen Sie Ihr Leben, wie wohnen Sie, was arbeiten Sie? Je genauer Sie sich einen solchen Tag vorstellen, desto klarer wird Ihnen, was sich verändern muss, um eines Tages so zu leben wie in Ihrer Vorstellung.

2) Füttern Sie Ihren Traum

Als ich das erste Mal mit dem Gedanken spielte, nach Südfrankreich auszuwandern, gab es viele Gründe, die dagegen sprachen. Sowohl beruflich wie auch finanziell schien mir das Risiko einfach zu groß. Und ich bin ein sehr sicherheitsbewusster Mensch.

Vermutlich hätte ich mich diesen Schritt nie getraut, wenn da nicht die Bilder gewesen wären: Sehr oft habe ich mir Fotos meiner Traumstadt angesehen. Immer detaillierter sah ich vor mir, wie ich dort leben würde, was ich tun würde. Und immer stärker wurde der Wunsch in mir, es zumindest zu versuchen.

Die Sehnsucht war irgendwann so stark, dass ich mir sicher war, es zu bereuen, wenn ich ihr nicht nachgebe.

3) Achten Sie auf Ihre Gedanken

Wie argumentieren Sie mit sich selbst? Es gibt immer sowohl Gründe, die dafür sprechen, ein Verhalten beizubehalten, als auch Dinge, die dafür sprechen, sich zu verändern. Je mehr Sie sich innerlich damit beschäftigen, warum Ihr Traum gerade nicht Wirklichkeit werden kann, desto wahrscheinlicher bleiben Sie auf der Stelle stehen und kommen nicht in Bewegung.

4) Verändern Sie Ihren Fokus

Konzentrieren Sie sich nicht mehr ständig darauf, was es so schwer macht, Ihren Traum zu erreichen. Denn das sorgt nur dafür, dass Sie mutlos werden. Fragen Sie sich stattdessen eher: Wie könnte es gehen? Welche Informationen brauche ich noch? Welche Menschen könnten mich unterstützen? Was müsste ich noch lernen, um meinem Ziel näher zu kommen? Wenn Sie den Fokus vom „Warum nicht“ auf das „Wie“ lenken, werden Sie plötzlich Wege finden, wo Sie vorher nur Barrieren gesehen hatten.

5) Behalten Sie einen langen Atem

Wenn Sie erst einmal den Entschluss gefasst haben, dass Sie etwas verändern möchten, so werfen Sie diese Entscheidung nicht gleich bei der nächsten Gelegenheit über Bord. Zweifel sind ganz normal. Aber geben Sie diesen nicht zu sehr nach. Schauen Sie stattdessen immer darauf, wie weit Sie schon gekommen sind und achten Sie auf die kleinen Fortschritte auf Ihrem Weg. Erzählen Sie anderen von Ihrem Traum, denn indem Sie darüber sprechen wächst der Wunsch nach Veränderung weiter.

Mein Weg zum Ziel war lang und nicht immer unbeschwerlich. Zwischenzeitlich habe ich mich mehrfach gefragt, ob ich nicht völlig verrückt bin. Aber mit den fünf Schritten, die ich oben beschrieben habe, ist es mir gelungen, an meinem Vorhaben dran zu bleiben und meinen Traum wahr zu machen. Und genau das wünsche ich Ihnen auch.


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Die Autorin:

Michaela Muthig ist Ärztin und Psychotherapeutin und hat sich auf Selbstsabotage spezialisiert. Mit Ihrem eigenen Saboteur hat sie Frieden geschlossen und erfüllt sich nun ihren Lebenstraum.

Im Mai 2019 erscheint ihr erstes Buch „Der kleine Saboteur in uns.“