So überwinden Sie Ihre Angst vor Vorträgen

Vielleicht kennen Sie das auch: Sie sind fleißig, ehrgeizig und arbeiten gewissenhaft. Also die besten Voraussetzungen, um Karriere zu machen und beruflich so richtig durchzustarten. Wenn da nicht die Angst vor Vorträgen wäre.

Ab einer gewissen Stufe auf der Karriereleiter kommen Sie nicht mehr darum herum, vor Publikum zu sprechen. Seien es die Teambesprechungen, bei denen erwartet wird, dass Sie sich einbringen. Seien es Vorträge, um neue Kunden zu überzeugen oder Schulungen, die Sie halten müssen.

Ich selbst war in der Schule sehr schüchtern. Vor einem Referat hatte ich damals tagelang Angst und im Studium habe ich mich gerne davor gedrückt, wenn es sich irgendwie vermeiden ließ.

Bis ich dann begann, in der Psychosomatik zu arbeiten. Dort musste ich vor Publikum sprechen, Vorträge halten, Unterricht geben, Gruppentherapien leiten. Ich weiß noch, wie ich beim ersten Mal kaum einen Ton herausgebracht hatte. Aber ganz langsam habe ich mich daran gewöhnt und mittlerweile macht mir das Weitergeben meines Wissens sogar Spaß!

Übung macht den Meister

Was mir geholfen hatte, war die regelmäßige Wiederholung. Die Aufregung war am Anfang sehr groß, ich hatte die schlimmsten Befürchtungen, was alles passieren könnte. Mit der Zeit aber merkte ich, dass selbst bei Verhasplern oder bei einem offensichtlichen Blackout gar nichts Schlimmes geschah.

Daher mein erster Tipp: Suchen Sie immer wieder Gelegenheiten, in denen Sie fast schon gezwungen sind, vor Publikum zu sprechen. Je häufiger Sie in solch einer Situation sind und diese irgendwie bewältigen, desto mehr wird das Ganze zu einer Gewohnheit.

Es muss nicht perfekt sein

Egal, wie oft ich Vorträge gehalten habe, ich habe anschließend immer etwas gefunden, was ich hätte besser machen können. Einen perfekten Vortrag habe ich noch nie hinbekommen.

Aber ich muss das auch gar nicht. Und Sie ebenfalls nicht!

Machen Sie also nicht nach einem Vortrag den Fehler, sich über die Dinge zu ärgern, die nicht gut gelaufen sind. Das führt nur dazu, dass Sie sich schlecht fühlen und vor dem nächsten Vortrag mindestens genau so viel Angst haben.

Seien Sie stattdessen stolz auf sich, dass Sie sich überwunden haben. Überlegen Sie, was alles gut gelaufen ist und welches positive Feedback Sie bekommen haben. Und selbst wenn der ganze Vortrag mies war: Sie üben ja schließlich noch und dürfen sich also auch größere Patzer erlauben.

Mut zur Lücke

In der Regel ist es die Vorbereitungszeit, die uns am meisten stresst. Menschen mit Rede-Angst versuchen, durch optimale Vorbereitung die Angst vor dem Vortrag zu reduzieren. Aber je mehr Sie sich mit der Situation beschäftigen, desto beängstigender wird sie. Und je mehr Sie die Unsicherheit durch eine gute Vorbereitung kontrollieren wollen, desto mehr werden Sie bemerken, was Sie alles nicht kontrollieren können, und die Angst steigt.

Selbst wenn der Vortrag dann anschließend gut läuft, so werden Sie es vor allem auf die Vorbereitung zurückführen und sich beim nächsten Mal einen ähnlichen Stress machen.

Für meinen ersten Vortrag hatte ich schon zwei Monate vorher begonnen, die PowerPoint-Folien auszuarbeiten und ich hatte zwei Monate Zeit mich verrückt zu machen. Zudem hatte ich den Vortrag dreimal geprobt und jedes Mal etwas gefunden, was nicht gut gelaufen ist.

Mittlerweile nehme ich mir einige Tage Zeit, um den Vortrag grob zu strukturieren, geprobt wird er gar nicht mehr. Ich verlasse mich auf meine Fähigkeit, zu improvisieren und auf das Wissen, das ich dazu habe. Damit habe ich nicht nur eine Menge Zeit gespart, auch die Aufregung hält sich dadurch in Grenzen

Mein Tipp daher: Natürlich sollen Sie sich vorbereiten und den Vortrag ausarbeiten. Aber setzen Sie sich ein zeitliches Limit.

Überwinden Sie Ihre Ängste schon im Vorfeld

Und noch etwas können Sie tun, wenn Sie starke Angst vor einem Vortrag haben: Arbeiten Sie mit inneren Bildern.

Wir haben bestimmte Erwartungen, wie etwas laufen wird. Bei der Ankündigung eines Ereignisses laufen automatisch Bilder in unserem Kopf ab. Je positiver diese Bilder sind, desto mehr freuen wir uns auf das Kommende. Je negativer, desto mehr Angst haben wir davor.

Bei Rede-Angst tauchen oft Bilder im Kopf auf, wie wir vorne stehen, alle Augen auf uns gerichtet sind und wir keinen Ton herausbringen. Oder dass alle sehen, wie wir zittern oder rot werden. Oder wir blamieren uns und alle sind irritiert.

Diese Bilder sind es, die unsere Angst vor Vorträgen schüren. Sie kommen meist aus der Kindheit, wo wir vielleicht eine ähnliche Erfahrung gemacht haben (ausgelacht wurden, uns blamiert haben) und diese kindliche Erfahrung auf die nun kommende Situation übertragen. Wir wollen uns auf keinen Fall wieder eine Blöße geben und zum Gespött werden.

Aber Sie können diese Bilder verändern. Ich habe Ihnen hier eine Imaginationsübung aufgesprochen, die Ihnen helfen kann, die inneren Bilder zu verändern und die Anspannung vor einem Sprechen vor Publikum zu verringern.

Probieren Sie es einmal aus. Hier ist die Imaginationsübung:



Aber: Die Imaginationsübung allein wird nicht ausreichen. Sie kann Ihnen im Vorfeld die Angst nehmen, doch nur das regelmäßige Tun wird Ihnen helfen, Ihre Rede-Angst zu überwinden. Also ran an den nächsten Vortrag!

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