Leider ist dieses Thema „Umgang mit Trauer“ in Zeiten von Corona sehr aktuell. Die Zahl der Todesfälle steigt immer weiter an. Und selbst wenn Sie (hoffentlich) selbst noch keinen Corona-Toten in Ihrem Umfeld betrauern mussten, so können die Nachrichten dennoch Erinnerungen in uns triggern und alte Gefühle wecken.

Die meisten meiner Leser haben vermutlich schon einen engen Angehörigen verloren. Seien es die Großeltern, die Eltern, Freunde, ja vielleicht sogar eigene Kinder, die verstorben sind. Der Tod und das Abschiednehmen ist leider ein Teil unseres Lebens und wir müssen irgendwie damit umgehen.

Plötzlicher Tod ist der Supergau für unsere Seele

Besonders schwierig wird der Umgang mit Trauer, wenn der Tod plötzlich eingesetzt ist und wir uns emotional nicht darauf vorbereiten konnten.

Wie Sie vermutlich wissen, habe ich viele Jahre in der Psychosomatik gearbeitet und dort auch Menschen begleitet, die mit einer Belastungsstörung nach einem Todesfall zu uns in Behandlung kamen. Ich möchte Ihnen hier erklären, was im Gehirn bei einem t unerwarteten Verlust geschieht und wie Sie mit der Trauer umgehen können.

Wenn wir einen lieben Menschen ganz unvorhergesehen verlieren, stehen wir zunächst unter Schock. Das Gehirn ist nicht in der Lage, diesen starken emotionalen Impakt angemessen zu bewältigen. Wir Erinnerung uns dann oft an unwesentliche Kleinigkeiten, zum Beispiel den Geruch der Teetasse, die ein Mensch uns zugeschoben hat, aber nicht mehr an bestimmte Tatsachen. Die Zeit scheint erst einmal still zu stehen und wir wundern uns, dass das Leben draußen dennoch weitergeht.

Schuldgefühle als Bewältigungsstrategie

Wir können nicht fassen, dass so etwas uns passieren konnte. Wir fühlen uns hilflos und erleben oft einen Kontrollverlust. In dieser Phase geben wir uns häufig die Schuld an dem Ereignis. Eine junge Frau, die ihren Verlobten durch einen Motorradunfall verloren hatte, machte sich Vorwürfe, dass sie ihn kurz vor der Abfahrt noch mit alltäglichem Kleinkram genervt hatte. „Wenn ich ihn damit in Ruhe gelassen hätte, wäre er nicht abgelenkt gewesen und hätte vielleicht keinen Unfall gebaut.“

Eine andere Frau, die ihre Mutter tot im Keller gefunden hatte, fühlte sich ebenfalls für deren Tod verantwortlich. „Wäre ich statt ihrer nach unten gegangen, hätte sie den Herzinfarkt in der Wohnung bekommen, und wir hätten vielleicht noch rechtzeitig den Arzt rufen können.“

Für Außenstehende sind diese Schuldzuweisungen oft nicht nachvollziehbar. Psychologisch lassen sie sich aber gut erklären: Es ist der Versuch, Kontrolle über etwas zu gewinnen, das wir gar nicht unter Kontrolle haben.

Vermeintliche Kontrolle

Wenn wir mit einem plötzlichen Todesfall konfrontiert werden, dann werden wir uns der Tatsache bewusst, dass wir keine Sicherheit und keine Garantie im Leben haben. Es könnte wieder passieren. Ein anderer lieber Mensch könnte sterben, oder sogar wir selbst. Dieser Fakt ist aber schwer emotional zu bewältigen. Und so versuchen wir uns Verantwortung für den Tod zu geben. Denn wenn wir daran schuld sind, können wir beim nächsten Mal etwas anders machen, um es zu verhindern.

Diese Hoffnung ist aber falsch!

In Wirklichkeit haben wir Leben und Sterben nicht unter Kontrolle. Das Gefühl, durch Verantwortungsübernahme könnten wir einen erneuten Verlust verhindern, ist nur eine Illusion.

Die Schuldzuweisung führt sogar genau zum Gegenteil. Wir wollen den Schmerz des Verlustes lindern und beim nächsten Mal verhindern. Aber das funktioniert nicht. Stattdessen verlängern wir die Trauer durch Schuldzuweisungen sogar.

Wenn wir Schuldgefühle haben, bleiben wir darauf erst einmal sitzen. Denn bei wem könnten wir uns überhaupt ent-schuldigen? Der Betreffende ist tot und wir können ihn nicht mehr um Verzeihung bitten. Dadurch tragen wir unsere vermeintliche Schuld wie eine offene Rechnung mit uns herum und können nicht abschließen. Die Trauerphase verlängert sich dadurch.

Was können Sie also tun, um mit dem Verlust eines geliebten Menschen umzugehen?

Die erste und wichtigste Nachricht: Sie sind nicht schuld!

Egal, was Sie damals getan oder nicht getan haben, Sie hätten die Ereignisse vermutlich nicht verhindern können. Und Sie haben nicht ahnen können, was kurz danach passieren wird.

Hätten Sie es sicher gewusst und hätten Sie gewusst, wie Sie es verhindern können, so hätten Sie sich anders verhalten. Machen Sie sich immer deutlich, dass Sie am Tod keine Verantwortung tragen. Auch wenn Ihr Gefühl Ihnen etwas anderes erzählen möchte.

Denken Sie daran, dass Sie jetzt viel mehr wissen als damals.

Rückwirkend sind wir immer schlauer und erkennen, welche Alternative am besten gewesen wäre. Aber damals konnten Sie das nicht wissen. Sie haben damals nach bestem Wissen gehandelt und Sie können nichts dafür, dass Sie noch nicht das wussten, was Sie jetzt wissen.

Hören Sie also auf, sich zu überlegen, was Sie damals alles falsch gemacht haben. Die Vergangenheit können Sie nicht mehr verändern, also verlieren Sie sich nicht in „Was-wäre-wenn-Gedanken“

Nehmen Sie Abschied

Ein plötzlicher Tod ist ein traumatisches Erlebnis. Daher können zur Bearbeitung gerade Techniken aus der Traumatherapie sehr hilfreich sein.

In Bezug auf die Trauerarbeit gibt es eine spezielle Methode, um mit dem Verlust besser umgehen zu können. Hierbei stellt sich der Betroffene mit Anleitung eines Therapeuten oder entsprechend geschulten Coachs vor, wie er der verstorbenen Person noch einmal begegnet.

In der Fantasie hat er die Möglichkeit, dieser Person alles zu sagen, was er ihr gern noch gesagt hätte. Er stellt sich außerdem vor, wie der Verstorbene darauf reagieren würde. Diese imaginative Begegnung geht tief und wühlt auf, ist aber sehr wirksam.

In der Regel reichen wenige Sitzungen aus, um die Trauer deutlich zu reduzieren.

Diese Begegnung in der Fantasie ist sehr intensiv, daher empfehle ich sie nur in Begleitung durchzuführen, um sie anschließend auch gut bearbeiten zu können.

Ein Abschiedsbrief kann helfen

Aber es gibt etwas, das Sie ganz für sich allein tun können: Schreiben Sie der verstorbenen Person einen Brief. Schreiben Sie darin alles auf, was Sie ihr gern noch gesagt hätten und was Sie sich noch von ihr gewünscht hätten.

Überlegen Sie sich dann, was Sie mit dem Brief tun wollen. Sie können ihn den Elementen anvertrauen (z.B. verbrennen und die Asche vom Wind davon tragen lassen oder ein Schiffchen daraus falten und einem Fluss oder See übergeben. Sie können ihn vergraben. Sie können ihn aber auch an einem bestimmten Ort aufbewahren. Entscheidend ist, dass Sie durch das Schreiben innerlich einen Schlussstrich ziehen.

Trauer ersetzen durch Dankbarkeit

Nachdem Sie innerlich verabschiedet haben, beginnen Sie das zu würdigen, was Sie mit dem Verstorbenen erlebt haben.

Schauen Sie sich Fotos an und denken Sie in Dankbarkeit an das, was Sie von ihm lernen durften und was Sie gemeinsam erlebt haben. Auch wenn die Person nicht mehr da ist, die Erinnerung bleibt.

Ich wünsche Ihnen einen guten Weg, um mit dem Verlust fertig zu werden. Und falls Sie darin Unterstützung brauchen, melden Sie sich gern.

Ich biete ein Kompaktpaket an, um alte Wunden (darunter auch Trauer und Schmerz bei Verlust eines Angehörigen) zu heilen. Hier können Sie sich zu dem Kompaktcoaching anmelden.