Keine Angst vor der Angst!

Warum Angst eine Entscheidung ist, die du triffst und wie du diese Entscheidung verändern kannst.

Ein Gastartikel von Christina Stiglmeier

 

Noch zehn Minuten bis zu meinem „großen Auftritt“. In einem Führungskräfte-Meeting werde ich ein Thema vorstellen, das zu meinem Arbeitsgebiet gehört.

Mein Herz pocht bis zum Hals, ich schwitze, kann kaum atmen. Meine Atmung funktioniert nur bis zum Brustraum, so zugeschnürt fühle ich mich. Enge. Meine Hände werden ganz feucht, meine Augen weiten sich. Meine Stimme ist jetzt schon zittrig, und wenn ich etwas sage habe ich Aussetzer. Blockaden.

Wortfindungsstörungen bis hin zum Stottern. Irgendwie werde ich es hinkriegen, ja, irgendwie.

Ich versuche mir gut zuzureden, doch zu oft habe ich diese Situation schon erlebt und gespürt, wie mein Körper reagiert.

Stress.

Eine Situation im Außen, die sehr starke Reaktionen in meinem System hervorruft, von denen ich mich überfordert fühle.

Die Tür öffnet sich, wir betreten den Raum. Alle Teilnehmer setzen sich und wir gehen die Agenda durch. Bis zu meinem Part dauert es noch.

Die Zeit zieht sich. Unglaublich lange. Minuten werden zu Stunden. Dann bin ich endlich dran. Versuche den Inhalt in Worte zu packen, fühle mich unsicher. Beklemmt. Beobachtet. Was die anderen wohl über mich denken?

Ich bringe ein paar Wörter raus, doch ich habe das Gefühl es beschreibt nicht mal ansatzweise mein Thema.

Als ich fertig bin, schauen mich alle an. Stille. Ich fühle mich schwach, nicht gehört, unfähig. Bewundere diejenigen, die frei heraus sprechen können. Diejenigen, die ganz locker in ihrem Stuhl sitzen. Ich mache mich klein, meine Gedanken kreisen in ihrer Negativspirale hin und her.

Als das Meeting dann zu Ende ist, suche ich erstmal den Toilettenraum auf. Atme tief durch, beruhige meinen Körper und meinen Geist.

Geschafft. Gerade so. Irgendwie.

 

 

Kennst du diese oder eine ähnliche Situation? Kennst du solche Symptome, die dein Körper oder dein Geist dir auf ein Thema im Außen zeigt? Wie gehst du damit um?

Erinnere dich daran, dass Angst nicht echt ist. Angst ist ein Produkt deiner Gedanken, die du kreierst. Angst ist eine Entscheidung, die du triffst.

 

Angst ist eine gesunde Reaktion auf eine bedrohliche Situation.

Die Angst gehört zu den Grundgefühlen eines jeden Menschen. Durch die Angst reagieren wir in kritischen oder bedrohlichen Situationen besonders aufmerksam und vorsichtig. Wir haben die Möglichkeit, uns zu schützen und können sogar fliehen, wenn es erforderlich ist.

Erfahrungen in der frühen Kindheit prägen unsere Angstbereitschaft. Ein Anteil in uns möchte uns schützen, und kreiert deshalb Gedanken und Gefühle, damit wir uns gegen etwas entscheiden oder bestimmte Dinge nicht tun.

Das ist gut und wertvoll! Dennoch passiert es oft, dass wir diese Gedanken und Gefühle immer und immer wieder erleben, weil sie sich ins uns abgespeichert haben.

Und zuletzt kommen sie dann auch in Situationen vor, in denen wir sie nicht benötigen. Situationen, in denen wir sicher sind und in denen keine Gefahr droht.

Vielleicht hast du auch schon einmal bemerkt, dass eine solche Angst deine Lebensqualität einschränken kann. Je nachdem wie stark sie ausgeprägt ist.

 

 Ich habe sehr lange in meiner Angst gelebt, diese jedoch nicht so richtig wahrnehmen können. Es kam immer mal wieder vor, dass andere Personen mir dies spiegelten, teilweise auch mit klaren Worten. Innerlich dachte ich dann immer „Ich bin doch gar nicht ängstlich“.

Im Nachhinein verstand ich, dass die Angst bereits ein treuer Begleiter geworden war. Ich hatte mich bereits an alle möglichen Reaktionen gewöhnt und dies als normal empfunden. Irgendwann führte dies zu stärkeren Symptomen, mein Körper wurde krank. Ich konnte mit den Einflüssen von Außen immer weniger umgehen, fühlte mich dauernd angespannt und gestresst.

Ich begann wahrzunehmen, dass meine Sinne sehr stark reagieren. So konnte ich laute Geräusche teilweise kaum aushalten. Mein Nervensystem war überfordert, mein Körper schwach. 

Mut ist nicht das Gegenteil von Angst. Mut ist vielmehr die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst.

 

Mit der Zeit setzte ich mich mehr und mehr mit persönlicher Weiterentwicklung auseinander, machte ich Yogalehrerausbildung und eine Ausbildung zum systemischen Coach.

Ich lernte etwas über die Angst und somit auch meine Angst kennen. Ich verstand wie wichtig es ist, sich nicht von der Angst steuern zu lassen, sondern selbst wieder das Steuerrad in die Hand zu nehmen. Verantwortung zu übernehmen.

Ich begann mich mit meinen Themen auseinander zu setzen. Traumata zu heilen, Blockaden zu lösen, der Angst in die Augen zu schauen. Sie anzunehmen.

Zu erkennen dass sie mich oft beschützt hat, und sie dann wieder zu lassen.

Ich übte mich in Dankbarkeit für alles, was passiert war. Denn diese Herausforderungen auf meinem Weg halfen mir, mich zu erkennen. Ich lernte etwas über mich, nahm meine inneren Anteile wahr und an.

 

Die Angst kann ein wichtiger Wegweiser sein, wenn wir lernen mit ihr umzugehen. Alles worauf wir unsere Energie verwenden, wird sich vermehren.

Wenn du also gegen die Angst kämpfst, sie loswerden willst, nicht möchtest dass sie dein Leben begleitet, dann wird sie womöglich größer. Dann gibt es womöglich noch ein Thema, das du für dich lösen darfst.

Wir sind auf dieser Erde um Erfahrungen zu machen. Um zu wachsen. Um uns kennenzulernen und gut für uns zu sorgen. Dein Körper redet mit dir. Und so auch dein Geist. Du darfst dies annehmen und schauen, welche Zeichen du bekommst.

 

Statt Sorgen und Angst wähle ich Vertrauen und Liebe.

 

Ich möchte mit dir eine kleine Übung teilen, die mir geholfen hat, die Angst als einen meiner Anteile wahrzunehmen, sie zu sehen und zu schätzen.

Immer wenn ich spürte, dass Symptome der Angst produziert wurden, habe ich mir die Angst als eine Figur vorstellt, die mich besucht.

Diese Figur habe ich dann bildlich herzlich willkommen geheißen, ich habe akzeptiert, dass sie meinen Raum betritt. Ich habe der Angst gedankt, dass sie gekommen ist und mir dann vorstellt, wie ich sie bitte auf einem bequemen Sessel Platz zu nehmen.

Dann habe ich der Angst einen Tee angeboten und ihr eine Decke gebracht, damit sie es sich gemütlich machen kann. Je nachdem wie erzählfreudig die Angst in diesem Moment war, habe ich sie auch mal gebeten, den Mund zu halten.

Liebevoll, und im Vertrauen dass ich die Situation steuern kann.

Entscheide dich, für deinen inneren Raum zu sorgen.

Statt Sorgen und Angst hast du die Möglichkeit, Vertrauen und Liebe zu wählen. Dich um dich zu kümmern, für dich zu sorgen.

Du kannst dies mit Entspannungsübungen tun, wie zum Beispiel geführte Meditationen, Yoga, Atemübungen oder progressiver Muskelentspannung.

Ich wünsche dir viel Freude bei deinen Erkenntnissen und wünsche dir, dass du gesund bleibst smile

 

 

 

Meine Gastautorin stellt sich vor:

 

Hallo, ich bin Christina Stiglmeier, eine stille und starke Lebenskünstlerin die mit zwei Katzenmädchen im schönen Wiesbaden wohnt.

 In meinem Herzensbusiness als Yogalehrerin und systemische Coach verbinde ich mein Wissen aus den Themen ganzheitliche Gesundheit, Körperarbeit, systemische Prozesse, starkes Mindset, Spiritualität und persönliche Weiterentwicklung. Mein Weg und meine Vision ist die Transformation, wieder zu entdecken wer wir wirklich sind und dies vollumfänglich in der ganzen Essenz zu leben. Befreie dich von deinen alten Programmierungen, komm in deine Kraft durch Achtsamkeit und entdecke dein buntes Selbst!

 Website: www.breatheinbreatheout.de

Christina Stiglmeier

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