Jetzt hör mir doch mal zu!

Warum Kommunikation gar nicht so einfach ist, und wie Sie dennoch verstanden werden, lesen Sie hier.

„Warum versteht er mich einfach nicht?“

Haben Sie sich das auch schon mehrmals gefragt?

Sind Sie enttäuscht, weil eine Bitte wieder einmal in einen Streit ausgeartet ist und nun Funkstille herrscht?

Dreht sich Ihre Diskussion ständig im Kreis und Sie kommen einfach nicht weiter?

 

Selbstsabotage in der Beziehung hängt ganz viel mit unserer Kommunikation zusammen. Eigentlich wünschen wir uns, dass der Partner uns versteht und unsere Bedürfnisse erfüllt. Aber sobald wir beginnen, mit ihm darüber zu sprechen, geht es schief.

Wie Sie sich vermutlich schon gedacht haben: Der kleine Saboteur mischt auch in unserer Kommunikation mit. Er will nicht, dass wir verletzt werden. Also fährt er schonmal sämtliche Schutzpanzer und Abwehrstrategien hoch. Wir wappnen uns für einen Angriff. Und dann wundern wir uns, dass wir tatsächlich angegriffen werden und es wieder einmal nicht geschafft haben, Verständnis von unserem Partner zu bekommen.

Ich habe im Lauf meiner Arbeit in der Psychosomatik regelmäßig Paar- oder Familiengespräche geführt und kann Ihnen aus dieser Erfahrung heraus erklären, wie Sie es garantiert NICHT schaffen, Ihren Partner zu überzeugen.

 

1 ) Sie verstricken sich in Nebensächlichkeiten

 

Ich nenne sie die „Das-war-aber-anders-Falle“: Sie möchten Ihren Partner darauf hinweisen, dass er Sie verletzt hat. Und natürlich soll er auch verstehen, warum Sie verletzt waren. Also bringen Sie Beispiele und sprechen von einem Ereignis, das vielleicht schon länger zurückliegt.

Was passiert?

Ihr Partner hat eine ganz andere Erinnerung an das damalige Erlebnis und beginnt, Sie zu korrigieren: „Aber das war doch ganz anders, du hast doch…“

Und Sie? Sie erwidern „Stimmt doch gar nicht! Ich habe nicht …“

In diesem Moment sind Sie weit weg von ihrer Botschaft. Es geht nicht mehr um Ihre Verletzung und erst recht nicht um Ihre Wünsche.

Stattdessen diskutieren Sie beide darüber, wie es damals tatsächlich war. Ich habe allen Ernstes schon Diskussionen mitbekommen, in denen sich ein Paar minutenlang darüber stritt, ob das erwähnte Ereignis nun an einem Donnerstag oder an einem Freitag stattgefunden hat, bevor ich die beiden unterbrochen habe.

Warum soll das wichtig sein!? – Ist es natürlich nicht! Und schon gar nicht ist es das, was Sie eigentlich wollten.

In diesem Moment geht es einzig und allein nur noch um Recht-Behalten. Die Diskussion darum, wie es wirklich war, ist eine Ablenkungs-Strategie Ihres Saboteurs.

Und da jeder von Ihnen eine andere Sicht auf die Dinge und somit eine andere Erinnerung hat, können Sie wunderbar mehrere Stunden darüber streiten und haben ganz vergessen, dass es doch eigentlich um etwas ganz anderes ging.

 

Das können Sie tun:

 

Vermeiden Sie Beispiele aus der Vergangenheit. Bleiben Sie bei Ihrer Kernaussage „Ich wünsche mir von dir…“ oder „Das hat mich verletzt“

Sollten Sie merken, dass Sie sich im Eifer des Gefechts doch in eine Damals-Diskussion verwickelt haben, so steigen Sie aus.

Eine mögliche Formulierung: „Ok, ich sehe, du hast das anders wahrgenommen. Eigentlich geht es mir aber gar nicht darum, wie es damals gewesen ist, sondern darum, dass ich mir von dir … wünsche.“

 

2 ) Sie äußern keine Bedürfnisse, sondern Vorwürfe

 

Ich nenne das die „Vorwurfs-Falle“: Ich habe sie in mindestens der Hälfte aller Paargespräche wahrgenommen. Sie geschieht also sehr häufig.

Eigentlich wollen Sie sich Ihrem Partner verständlich machen und ein Bedürfnis oder einen Wunsch äußern. Sobald Sie aber begonnen haben, zu sprechen, hört er nicht mehr zu und geht auf Abwehr.

Was ist passiert?

Vermutlich haben Sie Ihr Anliegen so formuliert, dass es wie ein Vorwurf klang. Es ist sehr schwer, Bedürfnisse richtig zu kommunizieren. Aber sobald der andere sich angegriffen fühlt, geht er in die Verteidigung. Ein ganz normaler Reflex, den Sie vielleicht auch an sich kennen. Und da Angriff die beste Verteidigung ist (sagt zumindest der Volksmund – ich seh das ja anders) wird er in einen Gegenangriff starten.

Klassisches Beispiel: „Aber du hast doch ständig ….“

Woran erkennen Sie, dass Sie in der Vorwurfs-Falle gelandet sind? Sie sehen es am einfachsten an Ihrem Partner: Sobald er sich zurückzieht und sich zu verteidigen beginnt, können Sie davon ausgehen, dass er Ihr Bedürfnis als Vorwurf aufgefasst hat.

 

Das können Sie tun:

 

Achten Sie gerade zu Beginn der Diskussion darauf, von sich zu sprechen. „Ich fühle mich…“ „Ich wünsche mir …“

Du-Botschaft haben oft einen versteckten Vorwurf in sich („Du hast alles falsch gemacht“). Und außerdem bieten Du-Botschaften wieder die Abzweigung in die „Das-war-aber-anders-Falle“. Ihr Partner fühlt sich falsch verstanden und will Sie korrigieren „Aber ich habe doch gar nicht …“

Ja, und dann sind Sie wieder auf einem Nebenschauplatz!

Stattdessen verwenden Sie Ich-Botschaften. „Mich hat das gestört“ „Ich habe … vermisst“ – Darüber kann Ihr Partner nicht mit Ihnen streiten, da es um IHR Gefühl geht und nicht darum, was ER getan hat.

Noch ein Tipp: Vermeiden Sie Begriffe wie „immer“, „nie“. Denn diese stimmen nicht und Ihr Partner wird sofort damit beginnen, Beispiele zu bringen, wo das nicht der Fall war.

Indem Sie „ab und zu“ „gelegentlich“ „manchmal“ sagen, haben Sie mehr Möglichkeiten, Ihren Partner im Gespräch zu halten.

Kommunizieren Sie dabei auch, dass Sie Ihren Partner wertschätzen und dass Sie vieles in der Beziehung mit ihm genießen. Und dass es zunächst nur um diese eine Sache geht, unter der Sie gerade leiden.

Ein Beispiel: Sie wollen öfter mit Ihrem Partner etwas unternehmen, aber er hat kaum Zeit für Sie.

Du-Botschaft (= versteckter Angriff): „Nie bist du da. Deine Freunde sind dir immer wichtiger als ich.“ -> Ihr Partner wird sofort versuchen, sich zu verteidigen und will diese Aussage so nicht stehen lassen. Ihr eigentliches Bedürfnis geht dabei unter.

Ich-Botschaft (= Bedürfnis formulieren): „Ich vermisse die gemeinsame Zeit mit dir“ -> Sie sprechen von sich. Diese Aussage kann nicht widerlegt werden. Das Bedürfnis steht klar im Vordergrund.

 

3 ) Sie hören nicht richtig zu

 

Das ist die „Weiß-ich-doch-alles-schon-Falle“:

Sie beginnen, zu erklären, warum Sie sich mehr Nähe wünschen. Ihr Partner wirkt aber schon nach dem ersten Satz abwesend, will direkt einsetzen, fällt Ihnen ins Wort. Sie haben das Gefühl, dass er gar nicht begriffen hat, worum es Ihnen gingt. Als nun Ihr Partner beginnt, zu sprechen, sind Sie schon in Gedanken dabei, zu überlegen, wie Sie Ihn irgendwie überzeugen können.

Was ist passiert?

Sie haben sich beide gar nicht mehr zugehört. Aber damit sind Sie nicht allein.

Die wenigsten Menschen hören richtig zu, vor allem nicht in Diskussionen. Sobald das Gegenüber seine erste Aussage vorgebracht hat (manchmal sogar schon im ersten Halbsatz) hören Sie gar nicht mehr hin, sondern versuchen, eine Gegenargumentation zu entwickeln.

Dadurch entgehen Ihnen aber vielleicht ganz wichtige Botschaften. Vielmehr hören Sie nur, was Sie hören müssen, um sich in Ihrer Sichtweise mal wieder bestätigt zu fühlen. Und Ihr Saboteur triumphiert.

Doch eigentlich wollen Sie ja nicht bestätigt bekommen, wie doof Ihr Partner ist, sondern lieber erfahren, warum er bestimmte Dinge tut, oder? Das erfahren Sie aber nur, wenn Sie ihm wirklich zuhören.

 

Das können Sie tun:

 

Versuchen Sie, nicht gleich nach einem Satz schon eine Erwiderung zu formulieren, sondern hören zu, bis er fertig ist.

Wenn Ihnen etwas unklar ist, fragen Sie nach.

Sehr gut ist auch, das, was Sie verstanden haben, nochmal in eigenen Worten widerzugeben – das nennt man Paraphrasieren.

Ein Beispiel „Habe ich dich richtig verstanden, dass du ….“

Durch das Paraphrasieren zeigen Sie zum einen, dass Sie zugehört haben und zum anderen können Sie Missverständnisse gleich im Moment des Entstehens beseitigen. Denn im Eifer des Gefechts bekommt man auch mal was in den falschen Hals.

Wenn Ihr Partner bemerkt, dass Sie ihn nicht einfach argumentativ aushebeln wollen, sondern wirklich bemüht sind, seine Sichtweise zu verstehen, wird auch er offener kommunizieren und ist dann auch bereit, Ihnen zuzuhören.

Denken Sie daran: Es geht nicht darum, Recht zu haben, sondern die Sichtweise Ihres Partners zu erfahren, um dann gemeinsam zu überlegen, wie Sie nun mit dem Verhalten, das Sie verletzt hat, umgehen können.

 

 

Und das können Sie tun, um selbst besser verstanden zu werden:

Bringen Sie nicht zu viele Argumente auf einmal.

Formulieren Sie Ihr Anliegen in kurzen Sätzen und geben Sie Ihrem Partner anschließend die Möglichkeit, darauf zu reagieren. Je länger Sie am Stück sprechen, desto weniger wahrscheinlich wird er Ihnen noch zuhören.

 

 

Und noch ein paar weitere Tipps für eine gelungene Kommunikation:

  • Ihr Partner hat andere Sichtweisen und andere Bedürfnisse. Versuchen Sie nicht, ihm Ihre eigene Sichtweise aufzuzwingen, sondern seien Sie neugierig auf die Sichtweise Ihres Partners.
  • Kommunizieren Sie frühzeitig Probleme und suchen Sie gemeinsam nach Lösungen. Wenn Sie dagegen für sich schon das Problem erwogen haben und Ihrem Partner nur noch mitteilen, was er verändern muss, um es zu lösen, so werden Sie vermutlich auf Widerstand stoßen. Sie sind ein Team! Und Sie schaffen es sicher, als Team eine Lösung zu finden, die beiden gerecht wird und mit der beide sich wohlfühlen.
  • Wenn Sie merken, dass eine Diskussion immer schon sehr schnell eskaliert, so schaffen Sie andere Voraussetzung: verabreden Sie sich zu einem „Diskussionsspaziergang“ und erörtern dort Ihre Probleme. Oder verabreden Sie sich mal auf einen Kaffee, um Dinge zu besprechen. Bereits der Wechsel des Szenarios kann helfen, nicht in alte Streitmuster zu rutschen.

 

 

Vieles ist gesagt, doch so manches Mal bleibt noch eine Frage. Wenn Ihnen noch etwas unklar ist, schreiben Sie dies doch gerne in die Kommentare.

 

Zum Abschluss etwas zum Drüber- Nachdenken

 

Das Wort Kommunikation kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Verbindung/Gemeinsamkeit erschaffen (zwischen zwei Menschen). Aber es steckt auch das Wort Unikat darin.

Denken Sie also daran, dass Sie alle beide einzigartig sind und daher auch verschiedene Sichtweisen haben dürfen. Und in der Kommunikation geht es dann darum, das Gemeinsame zwischen den beiden Unikaten herzustellen.

Viel Erfolg dabei!

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