Spielsteine, Bunt, Smilies, Lustig

Ich bin viele – so lautet der Name eines bekannten Buchs. Ich will sogar noch weiter gehen und behaupte: „Du bist mehr als du denkst“. Denn in Ihrem Kopf befinden sich viele verschiedene Stimmen, die nicht immer dasselbe wollen. Diese verschiedenen Stimmen stehen für unterschiedliche Persönlichkeiten. Man spricht im Allgemeinen von einem „Inneren Team“.

Woraus besteht ein inneres Team?

Der Saboteur macht uns oft das Leben schwer.

Ein Teammitglied kennen Sie sicher schon, wenn Sie hier schon eine Weile mitlesen; es ist natürlich der innere Saboteur. Dieser sieht sich als Verfechter von klaren Prinzipien. Alle Projekte, die nicht mit seinen Werten übereinstimmen oder die Ihren Selbstwert gefährden könnten, werden von ihm erbarmungslos sabotiert.

Auch den inneren Kritiker haben Sie sicher schon kennengelernt. Er erzählt Ihnen ständig, was noch nicht gut ist und was Sie besser machen möchten. Eigentlich will er Sie gar nicht fertig machen, er befürchtet nur, dass Sie für mangelhafte Leistung kritisiert werden könnten. Und um dies zu vermeiden, kritisiert er Sie lieber selbst.

Mit dem Kritiker verwandt ist der innere Antreiber. Auch er möchte vermeiden, dass Sie nicht gut genug sind und dann Probleme bekommen könnten. Daher macht er Ihnen immer wieder Druck und erzählt Ihnen, was Sie noch alles tun müssen und keinesfalls vergessen dürfen.

Der Angsthase oder innere Feigling spielt ebenfalls eine Rolle und macht Ihnen oft das Leben schwer. Er will Sie vor Katastrophen bewahren. Daher hat er sich aufs Schwarzsehen spezialisiert. Egal, um was es sich handelt, der Angsthase wird überall Gefahren sehen und Sie davor warnen.

Den Schweinehund oder inneren Faulpelz kennen Sie sicher auch. Er möchte, dass Sie sich erholen und dass es Ihnen gut geht. Und daher sorgt er dafür, alle unangenehmen Dinge weit wegzuschieben. Dass der Antreiber und der Schweinehund nicht gerade die besten Freunde sind, haben Sie sich sicher schon gedacht.

Es gibt aber nicht nur Anteile, die Ihnen das Leben schwer machen, sondern auch die funktionalen Anteile. Dazu gehört das Arbeitstier, das belastbar ist und den Beruf managt. Zudem existiert auch eine Persönlichkeit, die sich um Ihre soziale Kontakte kümmert. Jemand ist für Ihre Kreativität und Begisterungsfähigkeit zuständig. Es gibt noch viele viele mehr.

Wo kommen diese einzelnen Teammitglieder her?

Sie ahnen es vielleicht schon: Diese Persönlichkeiten tragen Sie schon seit Ihrer Kindheit mit sich herum. Entstanden sind sie oft ab dem dritten Lebensjahr, und zwar dann, wenn sich ein Selbst-Bewusstsein entwickelt. Wenn Sie genau hinhören, sprechen manche Teammitglieder vielleicht sogar mit der Stimme Ihrer Eltern oder verwenden Sätze, die Sie als Kind schon oft gehört haben. Kein Wunder, denn sie haben diese Erinnerungen einverleibt und Ihre Persönlichkeitsanteile damit „gefüttert“.

Machen Sie sich also immer bewusst, dass Ihr Kritiker oder Ihr Saboteur nicht im Besitz der uneingeschränkten Wahrheit ist, sondern einfach als Kind etwas aufgeschnappt hat, was vielleicht gar nicht stimmt.

Die einzelnen Teammitglieder vertreten oft unterschiedliche Bedürfnisse. Daher kommt es in Ihrem Kopf immer wieder zu Konflikten – in der Psychotherapie sprechen wir von Ambivalenzen. Und Ambivalenzen führen oft dazu, dass Sie sich nicht entscheiden können und auf der Stelle treten.

Warum ist es so wichtig, sein inneres Team zu kennen?

Konflikte im inneren Team sind ein häufiger Grund für Selbstsabotage.

Das innere Team macht seinem Namen nicht immer alle Ehre. Sehr häufig arbeiten die verschiedenen Persönlichkeiten nicht miteinander, sondern gegeneinander. Ganz deutlich merken Sie es, wenn Sie vor dem geöffneten Kühlschrank stehen und sich einfach nicht entscheiden können, ob Sie nun das leckere Stück Schokotorte essen sollen, oder doch lieber einen Tomaten-Salat.

Oder wenn Sie mit sich ringen, endlich die Steuererklärung anzufangen. Dann führen Schweinehund und Antreiber ein heftiges Wortgefecht miteinander und Sie fühlen sich innerlich wie gelähmt.

Wenn Sie nicht wissen, was in Ihrem Kopf abläuft, werden Sie sich vermutlich immer wieder selbst sabotieren. Sie geben gleichzeitig Gas und stehen dabei auf der Bremse. Und wundern sich, wenn Sie trotz aller Bemühungen keinen Meter vorankommen.

Gerade dann, wenn Sie eine weitreichende Entscheidung treffen müssen, ist es wichtig, Ihr inneres Team zu kennen. So können Sie besser abschätzen, wer alles dafür ist, wer aber auch wild entschlossen ist, die Bremse reinzuhauen und das Projekt zu boykottieren. Sie werden sich schneller darüber klar, ob Sie nur die Angst vor etwas Neuem abhält, oder es vielleicht sehr gewichtige Gründe gibt, warum Sie zögern.

Wenn Sie Ihr inneres Team kennen, bekommen Sie automatisch mehr Klarheit über sich, über Ihre Beweggründe und warum Sie sich manches Mal selbst ein Bein stellen.

Und wie kann ich es nutzen?

Einen Nutzen habe ich Ihnen schon genannt: Es wird Ihnen klarer, warum Sie sich manches Mal selbst behindern. Aber es gibt noch ein paar mehr Vorteile:

Wenn Sie sich beispielsweise Ihren inneren Kritiker als eine Person vorstellen, können Sie sich innerlich von der Selbstkritik distanzieren. Sie haben die Möglichkeit, seine Aussagen zu hinterfragen. Und Sie können trainieren, ihn zum Schweigen zu bringen.

Sie lernen, die Bedürfnisse dahinter wahrzunehmen. Wenn Sie erst einmal festgestellt haben, welche Personen in Ihrem inneren Team vorhanden sind, und was welche Persönlichkeit erreichen möchte, können Sie schneller erkennen, welche Bedürfnisse Sie haben. Sie können beispielsweise besser verstehen, warum Sie sich selbst immer antreiben oder warum Sie so Schwierigkeiten haben, die Steuererklärung abzugeben.

Doch nicht nur Klarheit kann Ihnen die Arbeit mit dem inneren Team bringen, sondern Sie können es auch nutzen, um Ambivalenzen zu reduzieren. In meinem Kurs „Du bist mehr als du denkst“ geht es genau darum.

Sie werden zum Manager Ihres inneren Teams, stellen Spielregeln auf, die nicht verletzt werden dürfen und überlegen, wie Sie bestimmte Teammitglieder stärken oder andere in die Schranken weisen, um endlich den Fuß von der Bremse nehmen zu können. Darüber hinaus lernen Sie, die Kommunikation Ihres inneren Teams zu verbessern, so dass die verschiedenen Persönlichkeitsanteile nicht mehr gegeneinander, sondern miteinander arbeiten.

Innere Teamarbeit bringt nicht nur wertvolle Erkenntnisse, sondern macht auch jede Menge Spaß. Mein inneres Team überrascht mich jedes Mal aufs Neue mit seinen Ideen. Und manchmal muss ich lachen, wenn ich mir vorstelle, wie mein Antreiber mit hochrotem Kopf und Trillerpfeife versucht, mich zu Höchstleistungen zu motivieren, während mein Faultier es sich auf meinem Schoß breit gemacht hat und mich am Aufstehen hindert, oder wie mein Saboteur mal wieder durch mein Unterbewusstsein hechtet, um nicht entdeckt zu werden.

Wenn Sie als Kind gern Geschichten gelesen oder sogar selbst erfunden haben, dann könnte innere Team-Arbeit genau das richtige für Sie sein.