Am Mittwoch hatte ich einen wichtigen Meilenstein geschafft. Ich war glücklich und aufgedreht, hätte die ganze Welt umarmen können. Am nächsten Morgen jedoch wachte ich mit einem Gefühl der Unzufriedenheit auf.

Diesem Gefühl spürte ich nach, bis ich meinen kleinen Grumpf ausfindig machen konnte. Er saß in einer der hinteren Gehirnwindungen und war enttäuscht, weil er keine Belohnung für diesen großartigen Meilenstein bekommen hatte.

„Wollen wir den Erfolg mit einem leckeren Essen feiern?“, fragte ich. Worauf der Grumpf mir mürrisch erwiderte, dass das nichts Besonderes sei. Süßigkeiten habe er hier immer zur Verfügung und leckeres Essen auch. „Ich will etwas wirklich Besonderes! Etwas, das ich nicht jeden Tag sowieso bekomme“

Je mehr ich mich bemühte, eine angemessene Belohnung für ihn zu finden, umso ratloser wurde ich. Ich hatte es noch nie so richtig bemerkt, aber es ging mir einfach zu gut. Weder Ausschlafen, noch gemütlich im Bett lesen, Film schauen, in der Badewanne versinken, konnte meinen Grumpf besänftigen. All das war bei mir Alltag. Ich hatte mir mein Leben so perfekt zugeschnitten, dass es kaum etwas gab, was ich mir nicht sowieso schon gönnte.

„Therme“, quäkte mein Grumpf plötzlich. „Ich will in die Therme. Das haben wir schon lange nicht mehr gemacht.“ – Nur leider musste ich ihn daran erinnern, dass das in Zeiten von Corona bedauerlicherweise nicht möglich war.

Wir fanden dann einen Kompromiss: Ich strich einige Punkte auf meiner To-Do-Liste und bis auf einem Coaching-Termin am Nachmittag, den ich nicht verschieben wollte, gab ich mir komplett frei. Ich machte weder meine Sporteinheit noch meine Haushaltseinheit, und auch meine Traumstunde wurde gestrichen.

Am Abend war ich weiterhin unzufrieden, irgendwie hatte ich den Tag nur vertrödelt. Und da merkte ich, wie sehr mir meine täglichen Routinen und Rituale wichtig für mich sind.

„Weißt du was?“, sagte ich meinem Grumpf und nahm ihn in Gedanken fest in meine Arme. „Wir haben Großartiges geschafft und das werden wir noch feiern. Entweder mit einem Thermenbesuch, wenn das wieder möglich ist, oder mit einem Cocktail am Strand, sobald ich wieder in Frankreich bin, ok? Das Feiern läuft uns nicht weg.

Und morgen starten wir wieder richtig durch, denn dank dir habe ich erkannt, wie wertvoll meine Rituale für mich sind und wie gut sie mir tun. Und außerdem habe ich erfahren, dass ich mir vielleicht nicht immer alles gleich gönnen sollte, damit das Besondere nicht alltäglich wird. Wenn du nicht gewesen wärst, hätte ich das nicht so deutlich gespürt.“

Mein Grumpf starrte mich einen Augenblick schweigend an, dann nickte er und verschwand erstmal wieder. Er hatte seinen Dienst getan und mir außerdem eine neue Mutmach-Geschichte geschenkt.

 

 

Darf’s noch ein bisschen mehr Mut sein?

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