Es passierte beim Judotraining. Ich war ca.  17 oder 18 Jahre alt. Meine Gegnerin war gerade dabei, mich zu Boden zu werfen. Um den Sturz zu vermeiden, drehte ich mich weg, wollte nicht zu Boden fallen. Und tat es doch.

Krach! Schon beim Aufprall wusste ich: da ist was kaputt gegangen. Meine rechte Schulter schmerzte heftig und ich konnte mich damals nur mit Schmerzen umziehen.

Zum Glück war nichts gebrochen, aber die Schmerzen waren so stark, dass ich zur Beobachtung erst einmal für einige Tage ins Krankenhaus aufgenommen wurde.

Ich erinnere mich noch sehr gut an die Gedanken und Gefühle, die ich damals hatte: ich war so sicher, dass ich meinen rechten Arm nie wieder schmerzfrei würde bewegen können. Ganz egal, was der Arzt bei der Visite zuvor gesagt hatte, in mir war eine traurige Gewissheit: die Schulter würde nie wieder heil werden, so sehr wie jede Bewegung wehtat.

 

Diese Episode ist nun über 25 Jahre her. Und Sie ahnen es vermutlich schon: bereits wenige Wochen später war mein Arm wieder voll funktionsfähig. Manchmal denke ich dennoch lächelnd an meine Verzweiflung und meine rabenschwarze Prophezeiung zurück.

Immer dann, wenn ich mal wieder in einer ähnlichen Verzweiflungssuppe feststecke, ruf ich mir diese Episode vor Augen: wie sicher war ich mir damals! Wie sehr davon überzeugt! Und wie falsch lag ich doch.

 

Und dann sage ich mir: „Auch wenn es sich im Moment ganz schrecklich anfühlt, auch wenn ich das Gefühl habe, es wird nie wieder gut, so weiß ich doch: alles wird irgendwann besser!“

 

Diese Erfahrung von damals hilft mir immer weiter.

Vielleicht haben Sie ähnliches erlebt. Vielleicht hilft auch Ihnen der Gedanke daran:

wenn alles um uns herum schwarz ist, so bedeutet das längst nicht, dass es immer so bleiben wird. Vielleicht ist es ja gerade kurz vor Sonnenaufgang und der dunkelste Teil der Nacht liegt bald hinter uns.