Ein Mann lebte im Land der  Unentschlossenheit. Doch wohl fühle er sich nicht. Eine immerwährende Unzufriedenheit hielt ihn gefangen. Und so brach er auf, um ein anderes Land zu entdecken.

Irgendwann gelangte er zu einer großen Tür. Hinter dieser Tür befand sich ein runder Raum mit mehreren weiteren Türen. Auf der Decke prangte eine Inschrift „Dies ist der Raum der Entscheidung. Wähle deinen Weg“

Neugierig betrat der Mann diesen Raum.  

Land des Selbstvertrauens las er auf dem Schild über einer Tür, Land des Kämpfens über einer anderen. Eine Tür gefiel ihm besonders gut, sie hatte die Überschrift Land der Weisheit.

„Ich glaube, diese nehme ich“, sagte sich der Mann. „Wenn ich Weisheit habe, werde ich wissen, was ich tun muss, um mich nicht mehr so unzufrieden zu fühlen.“

Doch die Tür ließ sich nicht öffnen. So sehr der Mann auch rüttelte, sie klemmte. Auch die anderen Türen blieben verschlossen, einzig die Tür, durch die er gekommen war, stand weit offen.

Im Raum war es kalt, durch die offenstehende Tür zog kühl der Wind und der Mann bibberte. „Vielleicht sollte ich die Tür schließen“, überlegte er sich. „Aber wenn diese sich dann auch nicht mehr öffnen lässt, kann ich nicht mehr zurück.“

Unentschlossen blieb er im Raum stehen. Er konnte sich einfach nicht entscheiden, was er tun sollte.

Da kam ein kleiner Junge herein. Auch er las die Inschrift und auch er sah sich die vielen Türen an. Dann ging er zur Tür, die ins Land der Weisheit führte, und versuchte, sie zu öffnen.

„Sie ist abgeschlossen“, brummte der Mann, „genauso wie die anderen.“

„Das glaube ich nicht. Schau, hier ist doch gar kein Schloss“, entgegnete der Junge. Nach einem kurzen Moment der Überlegung, ging der Kleine zurück zur Ausgangstür und schob diese mit einem Ruck zu. Der Mann wollte ihn noch davon abhalten, doch es war schon zu spät.

„Was hast du getan?“, schimpfte er. „Du hast unseren einzigen Ausweg aus diesem Raum versperrt. Nun werden wir darin verhungern.“

„Aber hast du nicht gelesen, was an der Decke steht?“, fragte der Junge. „Wir müssen uns für einen Weg entscheiden. Es können keine zwei Türen gleichzeitig offenstehen. Erst wenn wir die eine schließen, können wir eine neue öffnen.

Er ging noch einmal zur Tür ins Land der Weisheit und siehe da: Sie ließ sich nun ganz leicht öffnen.

Dankbar folgte der Mann dem kleinen Jungen ins Land der Weisheit. Von nun an scheute er sich nicht mehr, Entscheidungen zu treffen. Denn er hatte gelernt, dass er manchmal erst eine Option beenden musste, damit sich neue Wege auftun können.

Darf’s noch ein bisschen mehr Mut sein?

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