Der Schlitten sah unglaublich verlockend aus. Langsam ging Bodo um ihn herum. Das glitzernde Chrom, das schnittige Design, die leuchtend rote Farbe. Genau so hatte er sich den Wagen vorgestellt, der ihn die Karriere-Autobahn entlang tragen sollte. 

Bodo setzte sich hinein und drehte den Zündschlüssel. Sofort war ein tiefes Schnurren zu hören. Begeistert trat er aufs Gaspedal und der Wagen machte einen Satz vorwärts.

Doch dann passierte etwas Unerwartetes: In Bodos Kopf begann es ängstlich zu schreien. „Hast du dir das gut überlegt?“ rief die Stimme  aufgeregt. „Was ist, wenn du aus der Kurve fliegst? Bist du dafür überhaupt geschaffen? Du kannst das doch gar nicht. Karriere passt nicht zu dir. Das ist viel zu gefährlich.“ Bodo meinte, die Stimme seiner Mutter zu hören und ihren häufig verwendeten Spruch: „Schuster, bleib bei deinen Leisten.“

Erschrocken trat Bodo auf die Bremse. Der Wagen kam zum Stillstand. Doch als er den Fuß vom Gaspedal nehme wollte, tauchte eine andere Stimme in seinem Kopf auf: Bist du sicher, dass du es lassen willst? Du hast doch so viel Potential, es wäre eine Schande, das nicht zu nutzen. Mach uns stolz! Zeig allen, dass du es drauf hast.“

Bodo war nun vollends verwirrt, er brachte es einfach nicht über sich, den Fuß vom Gas zu nehmen, hatte aber gleichzeitig auch zu große Angst, die Bremse zu lösen. So stand der Wagen da. Der Motor heulte laut, aber gleichzeitig bewegte sich das Gefährt nicht vom Fleck.

Da kam ein kleines Mädchen die Straße entlang gehopst. Neugierig schaute sie auf den Luxusschlitten. Und naseweis wie sie war, stellte sie sich an die Fahrertür und klopfte ans Fenster.

„Du kannst nicht fahren, solange du den Fuß auf der Bremse hast“ kommentierte sie altklug und sehr stolz darauf, einem Erwachsenen die Welt erklären zu können. „Das weiß ich“, seufzte Bodo, „aber, wenn ich die Bremse löse, dann bewegt sich der Wagen doch.“ –  „Naja, wenn du sowieso nicht fahren willst, kannst du auch aufhören, Gas zu geben. Das, was du machst, ist doch Benzinverschwendung und einfach dumm!“

Und kichernd hopste das Mädchen von dannen. Bodo blieb zurück. Er fühlte sich tatsächlich unglaublich dumm. Das Kind hatte Recht. Er verschwendete damit nur seine Energie. 

Als er den Fuß vom Gaspedal nehmen wollte, spürte er plötzlich ein Bedauern. So weit war er schon gekommen. Die Karriereautobahn lag verlockend vor ihm, der Wagen war so geeignet dafür. Vielleicht sollte er es doch probieren? Vielleicht wäre es ja gar nicht so schlimm, wie die Stimme in seinem Kopf prophezeit hatte. 

Ganz vorsichtig nahm er den Fuß von der Bremse, zaghaft trat er auf das Gaspedal und langsam setzte sich der Wagen in Bewegung.

Darf’s noch ein bisschen mehr Mut sein?

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