“Was machst du denn da?”

“Nichts!”, grummle ich brummig, denn ich will jetzt nicht gestört werden.

Ich kann förmlich vor mir sehen, wie sich meinem inneren Antreiber die Haare aufstellen. Wäre er ein Tier mit Pelz hätte sich sein Körperumfang nun sicher verdoppelt.

“Nichts?!”, fragt er entsetzt. “Also, so gar nichts?”

“Genau.”

“Aber… warum?!?” Er schaut mich so entgeistert an, dass ich fast schon lachen muss.

“Weil ich einfach nichts machen möchte.”

“Aber du kannst doch so viele tolle Sachen machen. Wolltest du dich nicht endlich mal in Instagram einarbeiten? Oder die Impostor-Minis, da gibts noch so viel zu tun. Die Spülmaschine könnte ausgeräumt werden. Oder”, lenkt er ein, “zumindest ein ordentliches Buch lesen.”

“Nein, ich will heute einfach mal nichts machen.” Irgendwie kommt mir gerade Loriot in den Kopf, der ja auch einfach nur sitzen wollte. Ok, es soll nicht im Streit enden, daher bitte ich meinen Antreiber, sich zu mir in den Hängesessel zu setzen.

“Was ist denn so schlimm daran, nichts zu tun?”, frage ich ihn.

“Du hast doch nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung” entgegnet er. “Und wenn die rum ist, ist sie rum. Die kannst du nicht wiederbekommen. Du musst die nutzen!”

Er hat recht und er bringt mich zum nachdenken.

“Ja, sage ich ihm. “ich muss und ich will sie auch nutzen. Aber weißt du, wenn ich jetzt auf die letzten Jahre zurückschaue, dann sind mir vor allem bestimmte Erlebnisse in Erinnerung geblieben, bei denen ich ganz bei mir selbst war. Ein Spaziergang durch die Wälder. Langes Sitzen am Meer und einfach in die Wellen schauen, v.a. morgens, wenn gerade die Sonne aufgegangen ist. Oder wie ich einmal den ganzen Tag bis spät in die Nacht ein Buch gelesen habe, weil ich mich einfach nicht lösen konnte. Das sind die Momente, die für mich zählen. Oder gemeinsam mit Freundinnen in der Therme Zeit verbringen, lachen, plaudern. Das sind die Erinnerungen, auf die ich am Ende meines Lebens zurückblicken möchte und von denen ich noch mehr sammeln möchte. Verstehst du das?”

Mein kleiner Antreiber wird ebenfalls nachdenklich und sehr still. 

“Aber morgen wirst du wieder arbeiten?”, fragt er schließlich. “Ja!”, versichere ich ihm.” Ich werde morgen als allererstes unser Gespräch aufschreiben und daraus eine Muthmachgeschichte schreiben, ok? Aber heute lass mich einfach mal Zeit vertrödeln und das genießen.”

 

Ganz still ist es in mir geworden. Die Stille, die nötig ist, damit die Zeit meine Seele berühren und zum klingen bringen kann. Wie schön, dass mein Antreiber dafür gesorgt hat, dass mir bewusst wurde, was mir wirklich wichtig ist im Leben.

Darf’s noch ein bisschen mehr Mut sein?

Bestellen Sie hier meinen wöchentlichen Newsletter