“Wie machst du das eigentlich, dass du Arbeit und Freizeit so gut trennen kannst?”

“Oh! Das war nicht immer so. Gerade in meiner Anfangszeit in der Psychosomatik hatte ich sogar recht häufig meine Arbeit mit nach Hause genommen – also im Kopf natürlich. Die ersten Monate lag ich oft nachts wach und habe überlegt, wie ich meine Patienten motivieren könnte, und was ihnen helfen könnte. Doch irgendwann war ich es leid. Ich habe dann ein Ritual entwickelt, um meine Arbeit auf der Arbeit zu lassen und meine Freizeit auch wirklich als freie Zeit genießen zu können.”

 “Und was hast du getan?”

“Jedes Mal, wenn ich nach Hause ging und mein Zimmer verlassen habe, habe ich die Schranktür von meinem Arbeitszimmer noch einmal geöffnet. Ich habe mir vorgestellt, wie ich meine Sorgen, Fragen und Probleme dort hineinlege, und dann habe ich den Schrank abgeschlossen.”

“Das hat funktioniert?”

“Naja, ganz am Anfang sind meine Gedanken doch wieder zur Arbeit geschweift. Dann habe ich aber gesagt ‘du gehörst ins Büro. Geh wieder dorthin zurück.’”

“Beneidenswert. Bei mir funktioniert sowas nie.”

Ich lache. “Stell dir doch mal vor, es klingelt und vor der Tür steht ungebetener Besuch. Was würdest du dann tun?”

“Naja. Ihn abwimmeln.”

“Ganz genau! Denn wenn du ihn erst einmal hereinbittest, ihm ein Stück Kuchen und eine Tasse Kaffee anbietest und ihn eine Stunde erzählen lässt, kannst du sicher sein, dass er demnächst wieder vor deiner Tür steht.”

“Und was hat das mit den quälenden Gedanken an die Arbeit zu tun?”

“Es ist genau das gleiche. Wenn du diese Gedanken in deinen Kopf hereinlässt und ihnen Aufmerksamkeit schenkst, werden sie nicht so schnell wieder von dannen ziehen. Wenn du ihnen aber von nun an rigoros die Tür zeigst und ihnen sagst, dass sie morgen im Büro auf dich warten dürfen – denn nur dort kannst du sie ja auch lösen – dann wird es besser.”

Meine Kundin lacht mich an. Ich kann sehen, dass sie mich verstanden hat.

“Ich werds probieren. Nein! Nicht probieren. Sondern einfach machen. Und am besten, ich hänge ein ‘Wir müssen draußen bleiben’- Schild auf.

Nun lachen wir beide. Schauen wir mal, ob die Gedanken sich an dieses Schild halten. Mit etwas Übung aber sicher schon.

Darf’s noch ein bisschen mehr Mut sein?

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