Ein Meister hatte drei Schüler. Eines Tages brachte er eine Tüte voller Samen in den Unterricht. Jedem Schüler legte er einen Samen in dessen Hand. “Geht und pflanzt diesen Samen in die Erde. Gießt und düngt die Erde regelmäßig und dann kommt zu mir, wenn ein Keimling zu sehen ist.

Die Schüler schauten sich verwundert an, aber keiner wagte es, dem Meister zu widersprechen oder Näheres zu erfahren. Also gingen sie und taten, wie ihnen aufgetragen worden war.

Der erste Schüler dachte sich “Ich will der erste sein, der den Meister holen kann. Alle anderen sollen staunen über mich. Daher düngte er jeden Tag die Erde, goss mehrmals am Tag und grub zur Sicherheit alle zwei Tage den Boden um. Durch die Bemühungen aber ging der Samen verloren, kein Keimling erschien.

Der zweite Schüler pflanzte den Samen ein, goss ihn und düngte. Am Abend des Tages ging er zufrieden ins Bett und freute sich darauf, morgen den Keimling zu sehen. Aber am nächsten Tag war alles wie zuvor. Und auch am übernächsten und dem folgenden Tag. Immer mehr zweifelte der Schüler, ob sich seine Mühe überhaupt lohnen würden, und am fünften Tag gab er auf. Er goss nicht mehr und düngte nicht mehr, und der Samen vertrocknete im Boden.

Der dritte Schüler aber tat genau das, was der Meister ihn geheißen hatte. Er goss regelmäßig, düngte gelegentlich und bewies Langmut, auch als nach mehreren Tagen immernoch nichts zu sehen war. Dann plötzlich nach drei Wochen war etwas Grünes zu sehen, das dort aus der Erde hervor stieß, wo er den Samen eingepflanzt hatte. Aufgeregt lief er zum Meister, und dieser kam zusammen mit den anderen Schülern, um das Ergebnis zu betrachten.

“Du hast gut getan” sagte der Meister. “Seht ihr, so ist es auch, wenn ihr euer Verhalten ändern wollt. Viele Menschen denken, je mehr sie tun, desto schneller kommen sie zum Ergebnis. Sie verausgaben sich und erreichen ihr Ziel doch nicht. Andere dagegen geben zu früh auf. Ihnen fehlt das Vertrauen, dass ihre Bemühungen Früchte tragen. Aber nur, wer das Nötige tut, und dies so lange tut, bis er die ersten Ergebnisse sieht, der kommt ans Ziel.

Jetzt wird es einfacher werden, denn wenn wir den Keimling erst sehen, können wir auch die Fortschritte erkennen, die unsere Bemühungen bewirken. Die erste Zeit aber, wo wir noch keine Ergebnisse sehen und darauf vertrauen müssen, dass unser Tun etwas bringt, diese ist die schwerste Zeit. Denkt immer daran, wenn ihr etwas in euch und an eurem Verhalten verändern möchtet.”

Darf’s noch ein bisschen mehr Mut sein?

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