Neulich bin ich mal wieder meinem kleinen Saboteur auf die Schliche gekommen. Eine Lieferung, auf die ich gewartet hatte, kam nicht an, und in dem Versuch, herauszufinden, wo sie war, wurde ich zwischen zwei verschiedenen Lieferdiensten hin- und hergeschickt.

Ich war wütend, überfordert, genervt und habe fast eine Stunde am Telefon verbracht.

Und während ich genervt und fast schon heulend vor Wut am Telefon saß, erzählte mir ein kleines Stimmchen in meinem Kopf, dass ich niemals diese Lieferung erhalten werde, dass ich auf alle Ewigkeit ohne die bestellten Masken herumlaufen müsse und dass es nie, nie, nie gut werde.

Moment! Was mache ich da eigentlich? Warum mache ich mir selbst Angst und Bange? Warum lasse ich mir dadurch den sonnigen Tag verderben und verbeiße mich in etwas, das mich nicht weiterbringt?

Ziemlich gute Fragen, auf dich ich eine Antwort wollte.

Also machte ich mich (mal wieder) auf die Suche nach meinem Saboteur und stellte ihn zur Rede.

„Sag mal, warum willst du mir diesen Tag vermiesen? Warum erzählst du mir so einen Mist, dass ich mich jetzt darum kümmern muss und es morgen zu spät ist? Was soll der Unfug, dass ich diese Lieferung nie bekommen werde? Was bezweckst du damit?“

Mein Saboteur war erstaunlich kleinlaut. Ich habe etwas Zeit gebraucht, um es aus ihm herauszukitzeln, aber dann war es mir plötzlich klar:

Ich hatte mich hilflos und ohnmächtig gefühlt. Aus der Hilflosigkeit heraus war ich wütend gewesen. Diese Wut hatte ich mir aber nicht zugestanden. Eigentlich war es mir peinlich gewesen, wegen einer Kleinigkeit so zu reagieren.
Und um mir sozusagen meine Gefühle zu legitimieren, habe ich aus der kleinen Maus einen großen Elefanten gemacht. Wenn so viel auf dem Spiel steht, darf ich doch wütend sein, oder?

Als ich verstanden hatte, warum ich mich mal wieder selbst sabotiert hatte, musste ich fast ein bisschen schmunzeln.

„Weißt du“, sage ich leise zu mir (und vor allem zu meinem Saboteur) „ich darf wütend, traurig, genervt oder überfordert sein. Meine Gefühle sind ok, und ich muss mich dafür nicht schämen. Und ich darf das auch, wenn der Auslöser nur eine Kleinigkeit ist. Es ist ok. Ich bin ok.

Und nachdem ich mir diese Gefühle erlaubt haben, waren sie plötzlich verschwunden.