Vor drei Wochen war es mal wieder soweit: Mein Kleiderschrank platzte aus allen Nähten, und ich musste dringend mal wieder entrümpeln. Viele Kleider, die mir nicht mehr passten oder bessere Tage gesehen hatten, flogen raus.

Plötzlich hielt ich einen wunderschönen Pullover in der Hand, den ich noch nie getragen hatte. Ich hatte ihn selbst gestrickt, leider etwas zu eng. Seitdem fristete er sein Dasein in den Tiefen meines Kleiderschranks.

Nun stand ich da: Weggeben? Aber ich hatte so viel Zeit auf das Stricken verwendet und er gefiel mir wirklich gut? Einfach im Kleiderschrank lassen? Da nahm er aber nur Platz weg. Also entschied ich mich, ihn im Keller aufzubewahren. Irgendwann würde ich vielleicht mal ein paar Kilo abnehmen und dann könnte ich ihn tragen.

 

Ende der Geschichte?

Nein natürlich nicht! Denn so richtig zufrieden war ich mit der Lösung nicht. Mir war insgeheim klar, dass der Pullover dort so lange herumgammeln würde, bis ich ihn dann doch irgendwann entsorgen würde. Und plötzlich wusste ich, was ich tun wollte: Ich holte mir meinen Pulli wieder nach oben und begann, das Gestrickte wieder aufzudröseln.

Und bin nun dabei, ihn neu zu stricken, diesmal eine Nummer größer.

 

Warum ich diese Geschichte erzähle?

Weil ich plötzlich Parallelen zu meinem Leben erkannt habe. Viel zu oft gestalte ich mir mein Leben zu eng, schränke mich selbst durch meine Bemühungen und Entscheidungen ein. Da ich aber schon so viel Zeit investiert habe (zum Beispiel in eine Ausbildung, eine Beziehung oder eine Selbständigkeit), will ich davon nicht lassen und versuche immer wieder, mich in dieses zu enge Leben hineinzuzwängen – mich zu verbiegen, um dort hineinzupassen. Wachstum ist dann nicht mehr möglich.

Wie befreiend war es dagegen für mich, zu entschließen, den Pullover wieder aufzutrennen und neu zu stricken. Und wie schön ist es erst, dies auch mit meinem Leben tun zu können: Alles aufzudröseln, was nun wirklich nicht mehr passt und mich dann nochmal ranzusetzen und MEIN Leben stricken. Eines, das zur Abwechslung mal so gut passt, dass ich mich darin so wohl fühle wie mit einer zweiten Haut.

 

Ich freue mich darauf, meinem Pullover beim Wachsen zuzusehen und dabei auch meinem Leben zu beobachten, wie es sich immer und immer wieder verändert. Ich kann jeden Tag ganz neu beginnen.

Und das ist doch tatsächlich mal eine richtig schöne Mutmach-Botschaft, oder?

Darf’s noch ein bisschen mehr Mut sein?

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