Schon beim Aufstehen fliegen die Gedanken wild durch meinen Kopf und ich spüre eine leichte Getriebenheit. Ein paar E-Mails warten auf Antwort, Newsletter und Mutmach-Geschichte müssen noch geschrieben werden, mehrere Coaching-Termine stehen an. Vielleicht kann ich bei meiner morgendlichen Walking-Runde Klarheit gewinnen und eine Idee für meine Mutmach-Geschichte finden.

Doch während ich im strammen Tempo den Waldweg entlanggehe, wird es nicht besser, jede Menge Ideen zischen durch den Kopf, um sofort von der nächsten abgelöst zu werden. Plötzlich habe ich das Bild vor mir, wie jede Menge Gedanken und Gefühle wie kleine Kinder mit lautem Geschrei hin- und herrennen, während die Kindergärtnerin sich vergebens um Ruhe bemüht und schließlich kraftlos in sich zusammensackt. Genauso geht es mir gerade.

Was mach ich da eigentlich?

Die Walkingrunde liegt schon zur Hälfte hinter mir und ich habe überhaupt noch nicht realisiert, wie schön der Wald um diese Uhrzeit ist. Will ich wirklich mein Leben verpassen, während ich mir die ganze Zeit Gedanken um etwas mache, das noch gar nicht da ist?

Doch wie soll ich das Gedankenkarussell denn stoppen? Ich kenne mich ja mit meinem Hirngewusel mittlerweile gut aus – schließlich lebe ich schon über vierzig Jahre mit diesem Kopf. Und ich weiß, dass ich es zwar nicht stoppen, aber in eine bestimmte Richtung lenken kann. Also versuche ich, mir selbst Instruktionen zu erteilen.

„Schau hin … hör hin … fühl hin … öffne dein Herz.“  Im Rhythmus meiner Schritte sage ich mir diesen Satz wieder und wieder vor: „Schau hin … hör hin … fühl hin … öffne dein Herz.“

Nach und nach richtet sich nun meine Wahrnehmung von innen nach außen. Ich lausche dem Gesang der Amseln, höre einen Specht hämmern, das Laub rascheln. Auf der Haut spüre ich die frische Morgenluft, feine Nebel-Regentropfen befeuchten mein Gesicht. Ich sehe ein Eichhörnchen von Ast zu Ast hüpfen. Direkt vor mir huscht eine Maus über den Weg und verschwindet in das nächste Mauseloch. Vorsichtig beuge ich mich nach vorne und warte, bis die Maus ihr pelziges Gesichtchen wieder aus dem Loch hervorsteckt. Wir schauen uns beide an, dann nehme ich meine Walkingrunde wieder auf.

Der Kindergarten in mir ist zur Ruhe gekommen, das laute Gedankengetöse verschwunden. Stattdessen wartet eine Erkenntnis auf mich:

Alles hat seine Zeit. Das Coaching genauso wie das Schreiben genauso wie die Ideensuche. Die Morgenstunden aber gehören mir. Sie helfen mir, in meinem Tag anzukommen, mich selbst wieder zu spüren und mich zu öffnen für all das Besondere, das mir heute begegnen wird.

 

Und manchmal entsteht dabei so ganz nebenher eine neue Mutmach-Geschichte.

 

 

Darf’s noch ein bisschen mehr Mut sein?

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