„Ich soll meine Erfolge aufschreiben?“ fragte mich meine Klientin zweifelnd. Wir hatten gerade über ihre ständigen Selbstzweifel gesprochen und wie sie aus diesen endlich herauskommen könnte.

„So etwas habe ich schon einmal gemacht. Aber es war eher wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Freude über den Erfolg ist sofort wieder unter meinen Selbstzweifeln verdampft.“

Ich liebe es, mit Bildern zu arbeiten und springe sofort darauf an. „Du hast recht,“ entgegne ich. Der Tropfen verdunstet schnell. Aber er kühlt den Stein auch ein klein wenig ab. Und der nächste Tropfen verdunstet etwas weniger schnell… Und wenn ganz viele Tropfen kurz hintereinander auf diesen heißen Stein fallen, so ist irgendwann der Stein nicht mehr heiß genug, um die Tropfen verdunsten zu lassen.“

Ganz begeistert von dieser Metapher verknüpfe ich das Bild mit einem anderen, das ich einmal von meiner Kollegin bekommen habe.

„Stell dir vor, dass dieser Stein gar kein flacher Stein ist, sondern beispielsweise das Ende eines Wasserrads. Dann sammeln sich die Tropfen nach und nach dort an, wenn sie dann nicht mehr sofort verdampfen. Mit jedem Tropfen wird das Rad schwerer und irgendwann, wenn genug Tropfen zusammengekommen sind kann dann ein einzelner kleiner Tropfen dazu führen, dass sich das Rad in Bewegung setzt.“

Auch meiner Klientin gefällt dieses Bild. „Das klingt schön,“ seufzt sie sehnsuchtsvoll. „Aber auch wenn es in Bewegung ist, müssen weiter Tropfen kommen, damit das Rad nicht wieder irgendwann stillsteht, oder?“

„Ja,“ entgegne ich. „Aber das Rad in Bewegung zu bringen ist so viel schwerer als es dann in Bewegung zu halten. Du wirst sehen.“

„Also…. Tropfen sammeln?“ Ich nicke. „Genau. Jedes Mal, wenn du stolz auf dich warst und das aufgeschrieben hast, hast du einen Tropfen auf deinem noch heißen Stein. Jedes Mal, wenn du dich selbst lobst oder zulässt, von anderen gelobt zu werden, ebenso. Jedes positive Feedback, das du nicht gleich kleinredest, sondern dir aufschreibst, um es dir ab und zu mal durchzulesen, bewirkt etwas. Es müssen aber genug Tropfen zusammenkommen, bevor sie verdunsten.

Meine Klientin nickt. „Ich glaube, ich weiß, was mein erster Tropfen ist: Es war mein Vergleich, der dazu geführt hat, dass ich jetzt so ein schönes Bild mit nach Hause nehme. Danke dafür“

Ich freue mich und nun sind wir beide gespannt, wann wir gemeinsam das Mühlrad in Bewegung setzen können und der Selbstwert wächst.

 

Probieren Sie es doch auch einmal: Tropfen sammeln ist gar nicht so schwer. Sie dürfen nur nicht zu früh aufgeben.