Das Gespräch ist schon vor 5 Minuten zu Ende gegangen. Dennoch sitze ich weiter vor dem Laptop und schaue gedankenversunken auf den leeren Bildschirm. Das Thema meiner Klientin hat ihn mir ganz viel angeregt und Erinnerungen hervorgerufen.

„Ich habe keine Ziele mehr!“, hatte sie gesagt. „So viel habe ich in meinem Leben nun erreicht und jetzt plötzlich gibt es nichts mehr, was mich motiviert, was ich gern noch erreichen würde. Das fühlt sich komisch an und irgendwie beängstigend.“

Wie gut ich das kenne. Ich bin ein Mensch, der meist ein Ziel, besser noch einen Traum, vor Augen hat, den es zu verwirklichen gilt. Aber auch ich habe immer wieder diese Phasen der Ziellosigkeit. Damals beispielsweise nach dem zweiten Staatsexamen bin ich fast schon in ein schwarzes Loch gefallen – es gab nichts, was mich angetrieben hat. Und auch als ich letztes Jahr nach Deutschland zurückgekommen bin, wollte mir partout kein neues Ziel einfallen, auf das ich zuwachsen kann.

Ich habe festgestellt, dass es in meine Leben zwei verschiedene Phasen gibt: Die Phase, in der sich im Außen ganz viel bewegt, in der ich Komfortzonen verlasse, meine Lebensbedingungen verändere, Ziele erreiche. Und danach eine Phase der inneren Entwicklung. In dieser geschieht im Außen nicht viel, ich habe keine Lust auf neue Wege. Sondern ich muss erst einmal innerlich in die neu von mir geschaffene Struktur hineinwachsen, alte Glaubenssätze ablegen, mich im Inneren wandeln. Beide Phasen brauchen einander und wechseln sich ab, so wie Einatmen und Ausatmen. Seit ich das erkannt habe, kann ich damit gut umgehen.

„Und wie erkenne ich, wann ich mich mehr nach Innen und wann mehr nach Außen orientieren sollte?“, hatte mich meine Klientin daraufhin gefragt.

„Du wirst es spüren!“, war meine Antwort. „Wenn nicht von selbst neue Pläne kommen, wenn du dich nach Ruhe sehnst, und wenn du einmal nicht dauernd was Neues möchtest, dann ist die Phase der inneren Entwicklung da. Dann solltest du keine Ziele im Außen an den Haaren herbeiziehen, sondern dich mit dir beschäftigen, meditieren, Musik hören, die dich berührt, oder einfach nur still dasitzen.

Wenn du aber nach der Phase der inneren Einkehr plötzlich unruhig wirst. Keine unzufriedene Unruhe, sondern eher eine sprudelnde, ungeduldige Unruhe, die anpacken und verändern will, dann ist die Zeit der äußeren Veränderung da. Dann werden Ideen aufploppen und du wirst losgehen, um die Welt zu erobern.

Es kommt von ganz allein. Trau dich einfach, deinem Gespür zu folgen.“

Diesen Rat, den ich meiner Klientin gegeben habe, gebe ich auch Ihnen. Einfach spüren und sich von dem leiten lassen, was da ist und gerade gelebt werden will.

Darf’s noch ein bisschen mehr Mut sein?

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