In meinem Kopf gibt es viele verschiedene Stimmen. Nicht immer sind sich alle einig. So war es auch diesmal.

“Heute ist ein freier Tag,” jubelte die eine, die ich mal ‘meine Macherin’ nenne (sie ist manchmal etwas hyperaktiv). “Wir können endlich mal an unserer Website arbeiten. Die sollte dringend überarbeitet werden. Und dann bekommen wir noch mehr Kunden!” 

“Och nööö”, schmollt die Gemütliche. “Ich möchte ausschlafen und dann entspannt in den Tag hineinleben. Das Leben besteht doch nicht nur aus Arbeit.”

Der Saboteur hatte dies mitbekommen. Als sich die Macherin durchsetzt und beschließt, jetzt gleich an den Schreibtisch zu gehen, um den Tag zu nutzen, pirscht er sich an die Gemütliche heran. 

“Ich finde auch, dass wir schon viel zu viel arbeiten” wispert er. “Am Ende des Lebens werden wir sicher nicht bereuen, zu wenig am Schreibtisch gesessen zu haben. Und wozu haben wir denn all die Jahre soviel gearbeitet? Doch wohl, um jetzt endlich mal das Leben zu genießen.”

Durch dieses Worte aufgestachelt, baut sich die Gemütliche zu ihrer vollen Größe auf und hindert die Macherin daran, produktiv zu werden.

“Jetzt verplempern wir wieder mal den schönen Tag!” – nun ist der Saboteur auf Seiten der Macherin und flüstert ihr ins Ohr: “Wir wollten doch noch so viel erreichen. Wollen wir wirklich diese schönen Chancen heute alle ungenutzt lassen? Morgen werden wir das sicher bereuen.” 

 

Mooooooment! Saboteur, was machst du da eigentlich?

So langsam werde ich aufmerksam darauf, was da in meinem Kopf passiert, und wie mein Saboteur mal wieder zwei meiner Persönlichkeitsanteile gegeneinander ausspielt. Ich nehm mir dieses Früchtchen mal zur Brust.

“Was ist los?” frage ich ihn? “Warum sorgst du dafür, dass ich mir selbst meinen schönen freien Tag vermiese?”

“Aber das will ich doch gar nicht” stammelt dieser. “Eigentlich will ich, dass du dich erholst. Und deswegen habe ich versucht, dich vom Arbeiten abzuhalten.”

“Ja, und dann? Dann war dir das auch nicht recht.”

Der Saboteur wirkt plötzlich kleinlaut. “Naja, du sollst doch auch was aus deinem Leben machen. Deine ganzen Pläne und Träume. Und wir haben doch gelernt, dass man nicht faul rumhängen sollte.”

Ich muss lachen. Da wohnen tatsächlich zwei Seelen in meiner Brust und mein Saboteur schlägt sich immer auf die Seite, die gerade nicht zum Zug kommt.

“Hör mal”, sage ich ihm. “So geht das nicht. Du machst nur alles kaputt, auch wenn du möchtest, dass es mir gut geht. Wir machen es für heute so: den Vormittag bin ich fleißig und du hältst dich raus. Und am Nachmittag darf ich dann gemütlich abhängen. Und auch da hältst du dich raus, ok?”

 

Ob sich mein Saboteur tatsächlich raushalten wird, werden wir vermutlich noch sehen, aber ich bin wild entschlossen, heute beiden Bedürfnissen gerecht zu werden und mich nicht durch einen Saboteur davon abhalten zu lassen.

Darf’s noch ein bisschen mehr Mut sein?

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