Einträchtig sitzen die beiden auf der Bank, schauen in den Himmel, gehen ihren Gedanken nach.

Irgendwann bricht sie das Schweigen. “Ich wünschte mir manchmal, es gäbe eine Möglichkeit, mein Gedächtnis zu verändern und bestimmte Dinge löschen zu lassen.”

Staunend schaut er sie an, kann nicht so recht einordnen, was sie meint.

“Ich würde zu gern manches vergessen!” 

Er schweigt weiter, wartet ab, lässt sie ihre Gedanken ausformulieren.

“Stell dir vor,” sagt sie träumerisch, “was wäre, wenn du nicht mehr wüsstest, dass du eigentlich ja schon immer unsportlich warst. Wie würdest du dann in die Welt gehen? Würdest du mehr Sport machen?”

Er versteht, was sie meint und spinnt den Faden weiter. “Und wenn ich nicht wüsste, dass Erfolg nur für diejenigen da ist, die sich anstrengen, dann würde ich spielerisch und einfach durchs Leben gehen und trotzdem erfolgreich sein.“

“Ein bisschen wie die Hummel, die nicht weiß, dass sie laut Gesetzen der Physik gar nicht fliegen kann.” – “Genau, und deswegen tut sie es einfach.”  Beide lächeln sich an in gegenseitigem Verstehen.

Lange sitzen sie auf ihrer Bank, spinnen ihre Gedanken weiter,  erzählen sich, was für eine Welt es sein würde, wer sie sein würden, wenn sie manches nicht oder nicht mehr wüssten. Wie würden sie durchs Leben gehen, wie würde die Welt ihnen dann begegnen?

Es wird langsam dunkel und ein kühlerer Wind wirbelt bunte Blätter durcheinander. Zeit, nach Hause zu gehen. Er steht auf und nimmt ihre Hand. Fast schon wehmütig blickt sie auf die Bank zurück, auf der sie gerade so eine unbeschwerte Zeit verbracht haben.

“Ich glaube, wir sollten es einfach mal probieren, das alles zu vergessen und ganz unwissend in die Zukunft gehen. Neugierig, wer wir dann sein werden.”

Und während sie miteinander zur Straße gehen, ist es ihr, als hätte sie tatsächlich etwas von dem Alten auf der Bank zurückgelassen und etwas Neues hätte in ihr begonnen.

Darf’s noch ein bisschen mehr Mut sein?

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