“Wie schaffst du das nur immer?”, neidisch schielt Brigitte auf das Essen ihrer Freundin. Uta schaut sie fragend an.

“Naja, ich meine, das mit den guten Vorsätzen. Du hast dir vorgenommen, dich von nun an vegetarisch zu ernähren und ziehst das voll durch. Ich dagegen, naja, du weißt ja…” 

Uta legt die Gabel beiseite und ignoriert den Salat, der vor ihr steht. Sie möchte ihre Freundin gern dabei unterstützen, ebenfalls ihre Vorhaben zu erreichen. Aber wie?

Plötzlich fällt ihr ein guter Vergleich ein: “Ich glaube, bei mir ist es so, dass ich mich nicht ablenken lasse. Weißt du, wie wenn wir uns beide vornehmen würden, unsere Wohnung aufzuräumen. Ich fange dann im Wohnzimmer an. Ich räume erst einmal alles, was ins Zimmer gehört, an seinen Platz und stelle alles, was nicht dorthin gehört, an die Tür, um es später in einen anderen Raum zu bringen. Wenn das Wohnzimmer aufgeräumt ist, gehe ich in die Küche und mache dort genauso weiter.”

Brigitte nickt. Das klingt einleuchtend und passt zu der zielstrebigen und strukturierten Frau, die vor ihr sitzt.

Uta fährt fort: “Bei dir ist es eher so, dass du ins Wohnzimmer gehst. Dort siehst du einen Schlüssel auf dem Tisch liegen. Du trägst den Schlüssen in den Flur, um ihn ans Schlüsselbrett zu hängen. Im Flur stolperst du über den Besen, der aber in den Keller gehört. Auf dem Weg zum Keller fällt dir auf, dass der Briefkasten überquillt. Die Post, die du nach oben bringen möchtest, legst du aber erst einmal auf die Treppe, denn du bist schon wieder über den Besen gestolpert…”

Ein schallendes Gelächter unterbricht Utas Ausführungen. “Du hast Recht”, japst Brigitte. “Genauso ist es. Und am Ende stehe ich dann vor dem gleichen Chaos wie vorher und frage mich, was um Himmels willen ich denn in den letzten zwei Stunden getrieben habe.”

Nun lachen beide Freundinnen. Nachdem sich Brigitte wieder etwas gefangen hat, lächelt sie Uta an. “Also ein Zimmer nach dem anderen, richtig? Und wenn ich den Vergleich richtig verstanden habe, ist das auch bei den guten Vorsätzen so: nur einen vornehmen und mich nicht durch andere Dinge ablenken lassen, die mich gerade unzufrieden machen.”

“Ganz genau!” Uta nickt und greift wieder zur Gabel. Während beide genüsslich an ihrem Mittagessen kauen, grinsen sie sich wissend an.

Darf’s noch ein bisschen mehr Mut sein?

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