Ein kleiner Junge streifte über die Felder. Es war Spätsommer. Überall gab es neue Dinge zu entdecken: die Felder mit dem Korn, Maiskolben, die er so noch nie zuvor gesehen hatte und die den Maiskolben aus dem Supermarkt überhaupt nicht ähnlich sahen (die hatten ja Haare!), und die Bäume voller Äpfel.

Neugierig schaute er einem Bauern zu, der gerade einen Apfel pflückte. “Ist das dein Baum?”, fragte er den Bauern.

Der Bauer hielt in seiner Tätigkeit inne und sah den Jungen an. “Ja, das ist mein Baum”.

“Dann musst du aber fleißig sein und ganz viel gearbeitet haben”, staunte der kleine Kerl. “Der Baum ist ja sooo groß und voller Äpfel!”

Nun musste der Bauer schmunzeln. “Das ist gar nicht so viel Arbeit. Das meiste macht der Baum von ganz allein. Damit er wachsen kann, braucht es vor allem Zeit.”

“Ich will auch einen Baum!”, krähte der Junge nun begeistert. “Was muss ich dafür tun?”

Der Bauer nahm einen Apfel und schnitt ihn mit einem Taschenmesser auf. “Siehst du, die Kerne da drinnen? In jedem dieser Kerne steckt ein ganzer Baum. Du musst einen Kern oder mehrere davon in die Erde setzen.”

“So klein”, staunte das Kind, “und daraus wächst ein so großer Baum?”

“Ja”, bestätigte der Bauer. “Es braucht gar nicht so viel Arbeit. Aber etwas ganz Wichtiges musst du tun: Du musst dafür sorgen, dass der Kern in die Erde gesetzt wird und du musst ganz viel Geduld haben, denn das Wachsen dauert lange, das kannst du nicht beschleunigen. Ach ja, ganz am Anfang musst du dich ein bisschen mehr kümmern, weil die Wurzeln noch so klein sind. Da musst du ab und zu gießen und vor Schädlingen schützen. Vor allem aber musst du aufpassen, dass du nicht aus Versehen das kleine Pflänzchen zertrittst.”

Der Bauer legte einen der Samen in die ausgestreckte kleine Hand vor ihm und lächelte, als er das eifrige Strahlen des Jungen sah. “Viel Spaß mit deinem Baum.”

Während der kleine Junge davonlief, die Hand fest um seinen Schatz geschlossen, sah der Bauer ihm gedankenversunken nach. 

Mit dem Selbstvertrauen ist es oft ganz ähnlich: es sind die ganz kleinen Samen, aus denen das Selbstvertrauen wachsen kann. Kleine Worte der Selbst-Ermutigung. Erfolge feiern und Misserfolge nicht zu hoch bewerten.

Wichtig ist aber vor allem, dass wir Geduld haben und das kleine zarte Selbstvertrauens-Pflänzchen nicht versehentlich selbst kaputt machen durch unrealistische Erwartungen und abwertende Worte.

Es braucht keine großen Aktionen, um Selbstvertrauen aufzubauen, aber es braucht Zeit. Zeit, in der wir immer mehr darauf vertrauen, dass aus dem kleinen Pflänzchen einmal ein großer starker Baum wird.

Darf’s noch ein bisschen mehr Mut sein?

Bestellen Sie hier meinen wöchentlichen Newsletter