Man konnte ihnen ansehen, dass sie sich unwohl fühlten. Sie drückten sich in die Ecke, schauten zu Boden, wären am liebsten gar nicht da. Und doch waren sie gekommen. All die Fehler, die es auf der Welt gibt, waren versammelt. Auch wenn sie sich schämten und nicht gern zeigten, waren sie doch neugierig auf diese Konferenz, zu der sie eingeladen waren.

Mit der Zeit kamen sie vorsichtig miteinander ins Gespräch, klagten darüber, wie sie das Leben der Menschen doch so beschwerlich machten, beteuerten einander, dass es sie am besten gar nicht gäbe.

Doch plötzlich wurde es still im Saal. Alle Blicke wandten sich nach vorne, denn ein großer, bedeutend aussehender Fehler hatte das Podium betreten. Er wirkte sehr alt, aber keinesfalls gebrechlich und schon gar nicht verschämt.

Er begann zu sprechen. “Liebe Fehler! Ich habe euch alle zu dieser Konferenz eingeladen, damit wir uns einander austauschen und unseren Wert erkennen können. Sicher habt ihr alle schon schlechte Erfahrungen gemacht. Die Erfahrung, dass ihr unerwünscht und unbeliebt seid. Die Erfahrung, beschimpft zu werden. Ja sogar, dass man Angst vor euch hat.

Ich möchte euch eine andere Sichtweise aufzeigen. Wir sind wertvoll. Nützlich. Wir machen diese Welt besser. Ich beispielsweise habe vor vielen Jahrhunderten dafür gesorgt, dass ein ganz neues Land entdeckt wurde! Ohne mich wäre dieses Land vermutlich sehr viel später entdeckt worden.

Lasst uns also darüber sprechen, wo ihr Gutes in die Welt gebracht habt.”

Die Fehler lauschten verdutzt, einige runzelten die Stirn und dachten angestrengt nach. Ein kleines piepsiges Stimmchen meldete sich: “Durch mich wurde eine Frau im Café mit Tee bekleckert. Dem Mann, dem ich passiert bin, war das wahnsinnig peinlich. So aber kam er mit der Frau ins Gespräch und sie sind jetzt ein Paar.”

“Und ich …” meldete sich eine andere Stimme “ich habe dafür gesorgt, das eine Bewerbung gescheitert ist. Es war erst einmal ganz schrecklich. Aber nur so war dann der Weg frei zum Traumjob.”

Nun redeten alle Stimmen durcheinander “Durch mich ist eine wunderbare Freundschaft entstanden.” “Ich habe irgendwie das Eis gebrochen und plötzlich kam derjenige mit anderen ins Gespräch.” “Durch mich ist ein Betrug aufgeflogen, und beide leben jetzt in anderen Beziehungen und sind glücklich.”

So ging es eine ganze Weile weiter. Zum Schluss sahen alle glücklich und stolz aus. 

“Und du?” Fragte der Vorsitzende. “Möchtest du auch noch etwas beitragen?“ 

Der angesprochene Fehler errötete leicht. “Ja, ich glaube, ich habe auch etwas beizutragen. Durch mich ist eine Verhütung gescheitert, Pille vergessen. Es war erst einmal tragisch, eine absolute Katastrophe und ich habe mich so geschämt. Aber das Kind, das daraus geboren wurde ist ein Geschenk für die Welt und hat das Leben beider Eltern wunderbar gemacht.”

Alle schwiegen und wurden sich bewusst, wie wertvoll sie doch waren. Wenn du nur die Menschen das auch so sehen würden. Dann hätte keiner mehr vor ihnen Angst und sie würden endlich anerkannt werden für das, was sie leisteten!

Darf’s noch ein bisschen mehr Mut sein?

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