Ich erzähle ja immer wieder, dass das Hochstapler-Syndrom auch mich betrifft, dass ich es aber in den Griff bekommen habe. Habe ich deswegen nun keine Versagensängste mehr, bin ich nun nicht mehr vor Veranstaltungen aufgeregt? – Von wegen!

Letzte Woche war es mal wieder soweit: ich durfte im Rahmen des FFF-Day an einer Talkrunde zum Thema Impostor-Syndrom teilnehmen. Zugesagt hatte ich schnell, auch die Anreise nach Berlin war völlig in Ordnung, und ich war nur leicht aufgeregt.

Am Tag X aber war nicht mehr viel mit mir anzufangen. Wie ein eingesperrter Tiger bin ich in meinem Hotelzimmer herumgeschlichen und habe die Stunden gezählt. 

Dennoch: die Aufregung war eine andere als früher.

Als ich dann in dem Shuttle-Car saß, das mich zum Veranstaltungsort brachte, wurde es mir plötzlich klar: es fühlte sich an, wie im Free-Fall-Tower.

Kennen Sie Free-Fall-Tower? Eine etwa 70 m hohe Fahrattraktion, in der man im freien Fall nach unten rauscht, bis man kurz vor dem Boden wieder abgebremst wird.

Ich habe früher gern diesen Freefall gemacht. Aber jedesmal, wenn ich dann im Sitz saß und die Bügel sich geschlossen haben, war da dieses Gefühl “ich will hier raus!”. Kontrollverlust. Point of no return. 

Dann wird die Sitzreihe langsam nach oben gezogen, das Adrenalin steigt, die Angst auch. Am schwierigsten sind die letzten Meter, wo man immer langsamer wird, und genau weiß: “gleich geht es los.”

Und dann: Klick, freier Fall nach unten!

In wenigen Augenblicken ist es schon wieder vorbei und man ist vollgepumpt mit Glückshormonen und würde gleich nochmal loslegen.

 

Ganz genauso ging es mir in Berlin auf dem FFF-Day: die Stunden, wo ich wusste, “absagen ist jetzt nicht mehr”, waren quälend. Je näher es rückte, desto mehr stieg das Adrenalin. Aber: ich WUSSTE dabei ganz genau (ähnlich wie im Free-Fall-Tower): “ich bin sicher. Ich kann das, es wird mir nichts passieren. Auch wenn ich jetzt aufgeregt bin. Das ist ganz normal.”

Als ich vor Ort von der Organisatorin in Empfang genommen wurde, in der Maske geschminkt wurde, mit Mikrofon “verkabelt” wurde und die anderen Diskussionsteilnehmer kennengelernt habe, war die Aufregung vorbei. Ich gebe zu: Ich habe es sogar ganz bewusst genossen.  Es war etwas ganz Besonderes. Das erste Mal, dass ich in solch einer Runde dabei war. Und dieses Besondere habe ich ausgekostet.

Der eigentliche Auftritt ging unglaublich schnell vorbei. Als der Applaus begann, um uns zu zeigen, dass die Kamera nun aus ist, habe ich mich wie berauscht gefühlt. High. Glücklich. Hätte mich zu diesem Zeitpunkt jemand gefragt, ob ich das gleich nochmal machen wolle, ich hätte sofort “ja” gerufen.

 

Warum schreibe ich diesen langen Bericht? – Um Ihnen klar zu machen: Wenn wir etwas Neues wagen, etwas, das wir uns vorher noch nie getraut haben, ist es ganz natürlich, aufgeregt zu sein. Aber wenn wir das Impostor-Syndrom hinter uns gelassen haben, gibt es trotz all der Aufregung eine innere Sicherheit, dass alles gut gehen wird. 

Und wenn wir immer wieder aus unserer Komfortzone ausbrechen, uns auf dieses Neue einlassen, beginnen wir ganz allmählich, es sogar zu genießen. Spätestens dann merken wir: Hochstapler, das war einmal! 

Also: sind Sie bereit für den freien Fall?

Darf’s noch ein bisschen mehr Mut sein?

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